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äußersten Flügeltheilen innerhalb stehen und hierdurch kleine Kapellen bilden, im Aeußern dagegen oberhalbdieser (meist niedrigen) Theile wieder hervortreten; so bei der DppenheimerKatharinenkircheund der Liebfrauen-kirche zu Frankfurt a. M. Bei ersterer ist diese Anordnung der Streben dadurch normirt, daß die Weite der Flügeleinschließlich ihrer Streben der Weite des Langhauses gleich kommt. Zwischen den beiden Arten von Kirchen mitdrei gleich hohen Schiffen oder mit Langhaus und niedrigeren Flügeln steht diejenige in der Mitte, welche ihremAeußern nach der erstem Art angehört, während im Innern die Flügel doch etwas, wiewohl nur wenig, niedrigerals das Mittelschiff sind, wofür die Wiener Stephanskirche als Beispiel dient. Gleichfalls zu der Gestaltung mithöherem Langhause und niedrigeren Flügeln sind diejenigen Kirchen zu rechnen, welche aus fünf Schiffen bestehen,wie z. B. die Dome zu Köln und Mailand , die Kirche Notre Dame zu Paris , die Kathedrale zu Bourgos, derUlmer Münster . Schon oben wurde bemerkt, daß die Anbringung von drei Portalen an der vordem Faeade sehrgut zur Anlage von drei Schiffen paßt, während diejenige Anordnung dreier Portale bei fünf Schiffen, wie siez. B. der herrliche Kölner Dom an seiner vordem Faeade enthält, durch ihre zu große Unsymmetrie doch etwasstörendes hat, daher ich bei der Anlage von fünf Schiffen lieber die Anwendung von fünf Portalen in der Artvorziehen würde, daß das mittelste als Hauptportal, und die vier Flügelportale nur als kleinere Nebenportalegestaltet würden. Endlich muß noch erwähnt werden, daß ausnahmsweise ganz kleine Kirchen zuweilen durcheine einzige Reihe von Schäften in der Mitte in zwei Schiffe getheilt sind, und zwar oft aus zufälligen Ursachen(wie z. B. bei der Nicolaikirche zu Frankfurt a. M.)z oft auch durch die besondere Bestimmung des Gebäudesveranlaßt, wie z. B. bei dem, im Kloster Maulbronn an den Kreuzgang angebauten, Refektorium, in welchemdie Tische um die einzige Säulenreihe in der Mitte zu beiden Seiten auf erhöhtem Boden standen. Manch-mal befindet sich auch nur ein einziger Schaft mitten in der Kirche, was natürlich nur bei sehr kleinen Gebäudender Fall sein kann (z. B. bei der Dorfkirche zu Garmisch im bayrischen Gebirge). Oft kommen bei der Anlageder alten Kirchen Unregelmäßigkeiten vor, welche nicht in der geometrischen Conftruction, sondern in lokalenUrsachen liegen, vor welchen man, müßte in antikem, oder in modernem Style gebaut werden, heutiges Tageserschrecken würde. Im gothischen Style geben dagegen dergleichen Zufälligkeiten nur Veranlassung zu deninteressantesten Gestaltungen. Als Beispiel für das eben gesagte führe ich die Hauptkirche zu Rothenburg an der Tauber an, durch welche eine förmliche Fahrstraße führt. Man benützte hier die zum Baue der Kirchegegebene, von einer Straße durchschnittene Oertlichkeit in der Art, daß man diesen Fahrweg überwölbte und überdemselben eine Emporkirche anlegte, wodurch sowohl die Passage frei, als die Benützung des Innern der Kircheungestört blieb, und hier, wie noch mehr im Aeußern der Kirche eine höchst malerische, eigenthümliche Gestaltungherbeigeführt wurde.
8. Bestimmung der Schaft-Srärke aus der (Quadratur oder Triangulatur des Chores.
as die Bestimmung der Schaftftärke oder des Durchmessers des Schaftes im Verhältniß zur Lang-Hausweite, so wie zur Weite zwischen den Schaftaxen selbst betrifft, so hat man bis jetzt noch keineandern Regeln hierüber aufgefunden, als diejenigen, welche Boisseree in seiner Geschichte undBeschreibung des Domes von Köln (zweite Ausgabe, München 1842, S. 38 u. 39.) aufgestellt hat, wo er dasVerhältniß der Langhausbreite dieses Domes von Mitte zu Mitte der Schäfte zur Langhausweite im Lichten wie
7 zu 6 (oder wie die Seite zur Höhe des gleichseitigen Dreiecks) bezeichnet, und dann das Verhältniß der Schaft-stärke zur Sichtweite im Quer- und Längen-Durchschnitt so zusammenfaßt, daß es sich zwar nicht genau, jedochmit entschiedener Annäherung, bei den Schäften des Langhauses im Querdurchschnitte wie 1 zu 6 (oder wie dieSeite des Vierundzwanzigecks zur Höhe des Dreiecks), bei den Schäften des Kreuzquadrates wie 1 zu 4 (oderwie die Seite des Sechszehnecks zu der Höhe des Dreiecks), dann bei den Schäften des Langhauses im Längen-durchschnitte (und eben so bei den Schäften der Flügel) wie 1 zu 3 (oder wie die Seite des Zwölfecks zur Höhedes Dreiecks), und endlich bei den Schäften im Chorschlusse wie 2 zu 3 (oder wie die Seite des Sechsecks zur Höhedes Dreiecks) verhalte. In der That findet sich das Verhältniß der Langhausweite zu den Schaftaxen (im Quer-durchschnitte) wie 6 zu 7 auch bei andern Kirchen, denen die Triangulatur (wenigstens in diesen Theilen) zuGrunde liegt, wie z. B. im Regensburger Dome. Man kann daher bei der Grundrißbildung der Triangulaturallerdings den siebenten Theil der Langhausweite von Schaftaxe zu Schaftaxe als Regel für den Durchmesser derDiagonale des über Eck gestellten Schaft-Quadrats annehmen. Hierfür liegt aber noch ein anderer, nämlich eininnerer Grund in der Triangulatur selbst, indem, wenn man bei der Durchkreuzung von vier gleichseitigenTriangeln über einander, wie in Figur 10 (des Vorlegeblattes iu) in zwei dieser größeren Dreiecke auch imInnern zwei kleinere Dreiecke (kkm und i 8!) errichtet, zwischen diesen beiden kleineren und den beiden größeren