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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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fteines auf der Diagonallinie n e), öffne ihn bis an die Linie n I), d. h. bis A, und markire diese Zirkelöffnung aufder Linie n c; links und rechts mit den Punkten 6 und f, so ergiebt sich hierdurch das zweite, mit den Buchstaben6 6 f bezeichnete Quadrat, welches die Fläche des Giebelmaaßwerks bildet. Mit letzterem verfahre ebenso; öffneden Zirkel vom Centrum bis zur Linie 6 e und markire mit dieser Zirkelöffnung auf der Linie n n links und rechtsdie Punkte k und x, so ist das dritte Viereck kix gegeben, welches das Innere des Baldachins bildet, worinein einfaches Kreuzgewölbe angebracht, und die Rückwand zu einer Nische ausgehöhlt ist, um der anzubringendenFigur mehr Raum und bessere Schattiruug zu geben. Dem mit u p bezeichneten Fialenquadrate ist das, für dieinwendige Rückseite über Eck angesetzte, mit oe markirte Quadrat an Größe gleich. Das mit Kim bezeichnete,halbe Quadrat enthalt die Quadratur für die, im Aufriß auch mit 1 m bezeichneten, Kreuzblumen der Stengelauf den Giebeln, einschließlich ihrer Simse und Knäufe. Diese nämliche Quadratur ist auch in den Grundrissender Figuren 1 und 2 des Vorlegeblattes XV enthalten. Auch die Grundrißbildung der Fialen ist hier ganz dienämliche, wie in Figur 1 des Vorlegeblatts XV, obwohl ich ihre Höhenverhältnisse anders gestaltete, nämlichdas äußerste Grundrißquadrat statt dreizehn- nur eilf- mal zur Höhe annahm, ungerechnet die Kragsteinendigungder Fialen unterhalb des, mit vier Nasen verzierten Maaßwerkvierecks. Wollte man diesem Baldachine noch einenAufsatz hinzufügen, dann wäre für dessen, zurückzusetzenden Umfang das mit li i x bezeichnete Viereck anzuneh-men. Nach dem Maaße des letzteren würde man drei Eckpfosten lothrecht empor steigen lassen, und dieselben zuoberft wieder auf die nämliche Art, wie unten (nur natürlich in kleinerem Umfange) mit Giebeln und Fialenkrönen; über dieser Krönung aber müßte die fialenartige Pyramidenspitze sich erheben. Eine solche Gestaltungzu entwerfen, mag zur Aufgabe dienen. Was die Fußgeftelle der Figuren betrifft, welche mit Baldachinen gekröntsind, so bestehen dieselben entweder aus eigentlichen Bildsäulen, von welchen schon oben die Rede war (vergl.Figur 34 des Vorlegeblatts vm, und Figur 9 des Vorlegeblatts XXI), oder aus bloßen Kragsteinen, von welchenin den Figuren 32 und 33 des Vorlegeblatts vm, dann 1 bis 8 des Vorlegeblatts XXI, mehrere Beispiele gegebenxvi. 3. und dort erklärt sind. Der in Figur 3 des Vorlegeblatts XVI dargestellte Tabernakel ist zunächst als Sacra-mentshäuschen gedacht, in welchem Falle das Gehäuse mit einer durchbrochenen, metallenen Gitterthüre zuschließen wäre; auch könnte dasselbe für eine Figur dienen, würde alsdann aber besser einen etwas größerenUmfang für das eigentliche Gehäuse erhalten müssen, um die Figur nicht zu sehr einzuzwängen. Denkt man sich dasFigurenhäuschen weg, dann könnte diese Gestaltung auch als Bildsäule angenommen werden. Zn dem kapitäl -artigen Theile wollte ich ein Beispiel einer Astwerkverzierung geben, welche Art zwar heutiges Tages,als dem späteren gothischen Style ungehörig, verrufen ist, gleichwohl meines Erachtend, am rechten Orte ange-bracht, und in gehöriger Weise gestaltet, d. h. nicht gerade ausschließlich aus dürren Aesten bestehend, sondernauch mit Laubwerk verbunden, um so mehr von schöner Wirkung sein kann, als schon die Durchbrechung solcherFormen ihnen stets einen lebendigen Effect sichert. Wegen der Anwendung des Astwerks wäre auch ein gewun-dener Schaft, nach Art der im Tittelblatte dieses Buches gegebenen, hier passend gewesen, da die Windungen derSchäfte, gleich dem Astwerk, auf Naturnachahmungen beruhen, von welchen weiter unten noch näher die Rede seinwird. Die Grundrißconstruction von Figur 3 zeigt abermals die Quadratur, durch welche die Abstände der ein-zelnen Vierecke von einander geometrisch normirt, und zum bessern Verständnisse im Aufriß, wie im Grundrißmit den nämlichen Buchstaben bezeichnet sind. Das äußerste, mit i k markirte Grundrißquadrat giebt die Aus-ladung des Gesimses; das zweite Quadrat a b zeigt den Umfang des zum Kapitäl dienenden Astwerks; das dritteQuadrat e U bildet den, hinter dem durchbrochenen (hinsichtlich seiner Dicke durch punktirte Linien im Grundrißangedeuteten) Astwerk freiliegenden, viereckigen Kern, an welchen sich die achteckigen Untertheile anschließen; undzwar ist aus dem vierten, mit e k bezeichneten Quadrate die achteckige Ausladung des Schaftes, und aus demfünften, mit « k markirten Quadrate der achteckige Schaft selbst, aus dem Abstände zwischen beiden aber derSchaftsims gebildet. Der Winkel, nach welchem der Wasserschlag des Hauptgesimses gebildet wurde, ist imGrundriß durch punktirte Linien angegeben; nämlich die Entfernung der im Aufriß mit i k bezeichneten Kanten-linie des Wasserschlags von seiner Endigungslinie n ist der Grundrißdistanz v n gleich, und der Aufrißpunkt m,wo der runde Sockeltheil der Ecksäulchen (oder vielmehr Fialensäulchen) in den Wasserschlag eingreift, ergiebt sich(als Entfernung des Punktes m von der Linie ik) aus der Entfernung des, auf der Grundrißlinie In mit mangemerkten, Punktes von der Linie 1o. Die Höhendiftanz oq am Säulchensockel ist nach der Breite r s derganzen Gliederung genommen. Die Höhendiftanz des Sockelsimses des Ecksäulchens aber, oder die Entfernungder mit t bezeichneten Linie von der mit n markirten ist der Gliederungs-Distanz n I gleich gehalten. Was nun denXV. ö.tabernakelartigen Bau von Figur 5 im Vorlegeblatte XV betrifft, so besteht sein Grundriß aus neun gleichenQuadraten, von welchen die fünf mittelsten auch im Aufriß als Kreuz hervortreten. In den vier Ecken des untern