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in kreisrunder Form. Uebrigens ist in den Figuren 1 bis 4 zugleich auch gezeigt, wie man die erhabenen Nosen-knöpft im Mittelpunkte von Rosetten (vorausgesetzt, daß letztere nicht in zu großen Höhen angebracht sind) mitverschiedenen Verzierungsarten versehen kann, wahrend umgekehrt in den arabeskenartigen Rosetten Figur 6und 10 des Vorlegeblattes XXIH die Mittelpunkte derselben statt erhaben, durchbrochen sind. Dieses bildet jedochkeine Regel für den ungebundenen, arabeskenartigen Styl, indem z. B. die Rosette Figur 5, welche sich demArabeskenstyle sehr nähert, einen erhabenen Mittelpunkt hat. Diese Mittelpunkte von Rosetten sind in altenWerken häufig wirklichen Pflanzen entlehnt. So z. B. kommen in einer der schönen, getäfelten Decken des bereitsoben erwähnten Schlosses zu Füßen an diesen Stellen abwechselnd Blitzkeule, Maiskolbe und Ananasknotenvor, und das Rosettenlaub selbst ist diesen Gewächsen analog gebildet. Endlich ist noch der — Figur 15 desVorlegeblattes xvn zu erwähnen, welche die Haupteintheilung einer, in eine viereckige Rosette gesetzten, sieben-blätterigen Rosette (mit alternirender, kleiner siebenblätterigen Rosette im Mittelpunkte) enthält.
4. Von den Laub-Bossen, Fialen- und Rreuz-Blumen.
^ ^ nter den Laubbossen versteht man die Giebelblumen, mit welchen die Kanten der WimbergengiebelI I (dieselben mögen aus eigentlichen, oder aus geschweiften Giebeln, oder auch nur aus runden Schwei-H^ftmgen bestehen) besetzt sind. In — Figur 10 des Vorlegeblattes xvn ist die Bildung eines solchenLaubbossen durch die zwei, in einander über Eck gestellten, Quadrate uke 6 und 1 gezeigt, wobei diemit k l und m n bezeichneten Linien sich dadurch ergeben, daß die Stelle m die Mitte der Distanz klr, unddie Stelle k die Mitte der Distanz a ti bildet. Gewöhnlicher sind jedoch solche Laubbossen oder Giebelblumenstatt quadratisch, oblong gestaltet. In letzterem Falle ist die üblichste Maaßbestimmung in der Diagonaledes Quadrats enthalten, d. h. man müßte, wenn man die GLebelblume Figur 10 oblong bilden wollte, dieRichtung der Linien u 6 und be so weit über n und hinaus verlängern, bis dieselben der Diagonale u e oderd 6 gleich sein würden. Dieß Verfahren ist in —Figur 1 des Vorlegeblattes xvm veranschaulicht, indem hier^"'die Diagonale b 6 des ursprünglichen Quadrats abo 6 auf den Linien a 6 und k o bis f und 6 hinaus-getragen, und so das Dblongum t' 6 e <1 gebildet ist, innerhalb dessen sodann die Zeichnung der Blumeentworfen wird. Uebrigens läßt sich auch die Länge des Blumenstengels geometrisch normiren, indem dieselbez. B. in Figur 10 des Vorlegeblattes XVII sich dadurch ergiebt, daß die Länge 6 e in der Diagonale des, ausdem Quadrat u b oä gebildeten, Kubus besteht. Von den, im Vorlegeblatte xvm dargestellten, Giebelblumenist nur die Figur 7 quadratisch, alle übrigen sind oblong behandelt. Die — Figur 2 ist eine Giebelblume, welchesich in der nämlichen Größe an einem, der nach meinen Zeichnungen ausgeführten, Grabmonumente an derWimberge befindet. Eine reichere Behandlung der nämlichen, eichenblattartigen Laubblattgestaltung habe ichin __ Fi^r 3 gezeigt. (Gleichfalls eine eichenblattartige Behandlung (mit Randumschlägen) habe ich den Giebel-blumen der, in Figur 1 des Vorlegeblattes XVI dargestellten, Wimberge gegeben, welche darin von der gewöhn-lichen Art abweichen, daß sie gegen die Giebellinie zu abgerundet sind, und hier keinen rechten Winkel, wiegewöhnlich, bilden.) Die—Figur 5 zeigt eine einfache, rundblättrige Giebelblume mit jenen besonderen Windungender Blattendigungen an den Einbuchtungen, deren ich schon oben erwähnte. Die — Figur 6 bildet eine reich-blättrige Giebelblume mit runden und gewundenen Blattendigungen an den Einbuchtungen, welch' letzterenach Art der diftelblattartigen Laubbehandlung (Figur 8) mit spitzigen Winkeln (statt der runden Behandlung)versehen sind. Die — Figuren 7 und 8 enthalten die distelblattartige Behandlung der Laubbossen, erstere in ^^'einfacherem, letztere in reicherem Style. Aehnlich der Gestaltung in Figur 8 ist die in — Figur 4 dargestellteGiebelblume, bei welcher die Blattendigungen statt eckig, rund gebildet und mehrblätterig getheilt sind. DieseBlume nähert sich hinsichtlich ihrer Vielblätterigkeit dem Arabeskenstyle, welcher in dem, in — Figur 9 zu-gegebenen, distelblattartige» Laubbossen durch die Umbiegungen seiner Hauptblätter sich noch mehr ausspricht.
Man kann übrigens einen verschiedenen Charakter der Giebelblumen oder überhaupt des Laubwerks anneh-men, insofern von dem Charakter der Steinarchitectur, oder der Holzarchitectur, oder des Arabeskenstyls inMalereien die Rede ist. Der ganze Unterschied beruht indessen darauf, daß der Laubftyl in der Steinarchitecturstrenger ist, in der Holzarchitectur sich mehr dem Arabeskenstyl nähert, und letzterer endlich eine ganz freie,phantastische Behandlung zuläßt. Die Fialenblumen (deren Eintheilung am Niesen der Fiale, dann die Aus-ladung und Höhe ihrer Bossen bereits oben bei Erklärung des Vorlegeblattes XV nach der Regel des MeistersRoriczer von 1486 beschrieben wurde) unterscheiden sich von den Giebelblumen nur dadurch, daß sie einfacherund gleich den Kreuzblumen völlig rund, hingegen die GLebelblumen nur relief behandelt sind. Zur leichternVerständlichkeit habe ich im Vorlegeblatte XIX Fialenblumen von der Seite in geometrischer Zeichnung,
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