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m der, in den Figuren 7 und 8 dargestellten, Kragsteine ist mit der obersten Ausladung des Kragsteins in Figur 9 gleich8 .' gehalten. In — Figur 8 ist ein, nur mit Maaßwerk verziertes, Kapital dargestellt, welche Art selten, und auch erstin der spätern gothischen Periode, so wie gewöhnlich nur an einzelnen, besondern Theilen, z. B. bei Schäften vonAltären, oder andern kleinen Monumenten vorkommt, aber durch die Durchbrechung des Maaßwerks von sehrschöner Wirkung ist. Die Durchbrechung befindet sich in Figur 8 da, wo der Vierpaß unter dem obersten Gesimseangebracht ist, wie die innere, geschweifte Linie hinter dem Vierpaß (links und rechts) andeutet. Die Endigung derKragsteinspitze ist durch eine Rose gebildet, von welcher in der geometrischen Ansicht wenig sichtbar sein kann, dasie auf den Anblick von unten berechnet sein muß. Figur — 7 zeigt einen Laubkragstein, dessen Endigung ich auseinem Kopfe bildete. Die im Vorlegblatte XXVI gegebenen Laubwerkbildungen des Meisters Hans von 1435,und besonders umgeschlagene Blätter, wie jenes in Figur 1 ebendaselbst, eignen sich sehr zur Anwendung fürLaubkapitäle. Endlich muß noch diejenige Art von Laubwerk erwähnt werden, mit welchem zuweilen das frei herunterHangende Maaßwerk an denjenigen Stellen, wo die Pfosten nicht fortgesetzt, sondern abgebrochen sind, endigt.Die gewöhnlichsten dieser Endigungen bestehen in einer lilienartigen, oder etwa in einer solchen Gestaltung, wiedie in - Figur 12 des Vorlegeblattes XXII entworfene. Noch freier ist die verschlungene Laubwerkendigung inxxn- Figur — 13 ebendaselbst, welche sich sehr dem Arabeskenartigen nähert, und oberhalb des Laubwerks einen, dasMaaßwerk schließenden, gewundenen Rundstab hat.
6. Bildung des Laubwerks für Gesimse und Hohlkehlen überhaupt.
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ie ältere Stylart des Laubwerks in Hohlkehlen, solche mögen nun Gesimsen oder Thür-oder Fenster-Gewänden angehören, besteht in einzelnen, an einander gereihten Laubstücken, und zwar in solchen, welchenach Art von (besonders viereckigen) Rosetten gebildet sind, wie z. B. die äußere Einfassung des vier-eckigen Feldes auf dem Titelblatts zu den Vorlegeblättern gegenwärtigen Buches, oder nach Art der Giebelblumen,wie etwa jene in dem Kapitälgesimse der Figur 10 des Vorlegeblatts xxi, oder aus andern einzelnen Laubstückenbestehen, wie z. B. diejenigen, welche in—Figur 10 des Vorlegblattes xxn gegeben sind, und eigentlich die nämlicheBildung enthalten, nur auf verschiedene Art neben einander gestellt zu werden Pflegen, so, daß bei dem einen dasAstftück oben, bei dem andern aber unten sich befindet. Die neuere Stylart des Laubwerks in Hohlkehlen wird hin-gegen durch zusammenhängende, gewundene Laubzüge, und zwar ohne, oder mit Anwendung von Aesten, gebildet.In den Vorlegeblättern xxiv und xxv sind mehrere Arten solcher Laubwindungen ohne Aeste für Hohlkehlen
xxiv. vom einfachsten bis zum reichsten übergehend, gegeben, und zwar — im Vorlegeblatte xxiv die beiden erstenReihen mit ganz einfachen dreieckigen Blättern, von runder, so wie von geschweift eckiger Behandlung, die beidenletzten Reihen aber mit dreiblättrigen Blattgruppen, sowohl von einfach, als eckig geschweifter Blattbehandlungund Umschlag je des mittelsten Blattes. Solche Blattumschläge sind sowohl in der Zeichnung, als noch mehr im
xxv. Relief selbst von guter Wirkung. Auch in den reichen Laubwindungen des Vorlegeblattes — xxv sind solcheUmschläge, und zwar in den beiden vordersten Reihen von einzelnen Blättern, wie in der hintersten Reihe vonganzen Blattgruppen gegeben. Die erste Laubwindung besteht aus dreifachen, dreiblättrigen Blattgruppen mitgeschweift eckiger Blattbehandlung, die zweite Laubwindung aus doppelten, dreiblättrigen Blattgruppen undeinem lang gestreckten Blatte zwischen beiden mit runder Behandlung, und die dritte Laubwindung aus doppelten,dreiblättrigen Blattgruppen und einzelnen Blättern am Windungsstengel mit jener oben erwähnten, eigenthüm-lichen Behandlung, bei welcher von den drei runden Blattenden je zwei einwärts gewunden sind (vergl. die Figur 5des Vorlegeblattes XXII). Auch das Titelblatt gegenwärtigen Werkes (mit den Engeln) enthält in den Laublät-tern des äußern Randes eine solche, jedoch einfachere Laubwerkwindung, welche unten, wie es in alten Werkenhäufig vorkommt, von den Schweifen der Ungeheuer ausgeht. Sehr oft halten auch Vögel die Anfänge solchen Laub-werks in dem Schnabel. Der Laubkranz um die Engel (in eben genanntem Titelblatte) ist mit Rosetten unter-brochen. Das Laubwerk mit Anwendung von Aesten ist entweder von der Art, daß sich dasselbe um einengeraden Ast (an welchem sich nur kleine, kurzabgehackte Astanfänge befinden) herumwindet, und für diese Art
^22.1' dient das in—Figur 22 des Vorlegeblattes xvn entworfene Laubwerk zum Beispiel; oder der Ast ist gewunden,
xxn. und das Laub geht von dessen kleineren Aesten aus, wie bei dem in—Figur 11 des Vorlegeblattes xxn gegebenenBeispiele; oder endlich das Laub hängt in der Art mit dem gewundenen Aste zusammen, daß es aus demselbenunmittelbar herauswächst, und daher auch mit der, vom Aste losgeschälten, und in Laub verwandelten Rindeverglichen werden mag, wie etwa auf der inneren Einfassung des viereckigen Feldes im Titelblatts zu den Vor-legeblättern gegenwärtigen Werkes. Die letztere Art gehört besonders der spätern Stylperiode an, wo sie häufigangewendet wurde und den eben angedeuteten Ursprung oft unverkennbar zeigt.