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führten, worüber in den alten Grabmonumenten zahlreiche Beispiele vorhanden sind *). Auch erwähnte ichoben S. 41 und 42, welch' reicher Schmuck durch die Anbringung von Wappen der Architektur verliehenwerden kann, wofür ihre Anwendung in Sälen als Beispiel angeführt wurde. Diese Art ist auch jetzt nochganz an ihrem Platze. Außerdem bilden die Wappen noch eine besondere Zierde bei Monumenten, welchensie eine eigenthümliche Belebung zu verleihen fähig sind, und wenigstens einigen Ersatz dafür bieten, wenn beisolchen keine Statuen oder Basreliefs angebracht werden. Vorzugsweise in Siegeln und Münzen wäredie Gestaltung der Wappen im gothischen Style ein eigentlicher Fortschritt, in welchem Sinne man namentlichin England, wie auch bei uns, bereits sehr gelungene Versuche gemacht hat. Doch versteht es sich von selbst,daß die Stylisirung der Wappen im gothischen Style geschehen muß, da im antiken Style keine Wappenvorkamen, und die Anwendung der Formen des Haarbeutelstyls zu wahren Carricaturen führt, wie das geschmack-lose, moderne Wappenwesen zur Genüge beweist. In den Glasmalereien endlich bilden die Wappen häufig undauf glänzende Weise die Hauptbestandtheile. Bei der mehr und mehr sich ausbreitenden Wiedereinführungder Glasmalerei ist daher die Kenntniß der Wappenformen (besonders zum Privatgebrauche, wo die Mittelzur Ausführung historischer Compositionen nicht immer vorhanden sind) unentbehrlich. Hinsichtlich der heraldischenFarben und Metalle (d. h. Gold und Silber) hat man sich die Regel zu merken, daß Metall auf Färb, und Färbauf Metall stehen muß, daher zwei Farben oder Metalle nicht unmittelbar neben einander sich befinden sollen,und Wappen, welche gegen diese Regel verstoßen, falsche Wappen genannt werden. Die Art, die Farben derWappen durch Schrafsirung anzudeuten, gehört der modernen Zeit an, und der Mangel dieses Gebrauchs imMittelalter rührt wohl daher, daß damals in der Regel alle Wappen (auch in der Sculptur) bemalt wurden.Heutiges Tages deutet man das Gold durch Lüpfelung, das Silber durch Leerlassung, Blau durch wagrechte,Roth durch lothrechte Striche, Grün durch Querstriche von der Rechten zur Linken, Purpur durch Querstrichevon der Linken zur Rechten, und Schwarz durch Kreuzstriche an. Der Purpur ist eine neuere Wappenfarbe;die ältesten Wappen bestehen nur aus Silber und Schwarz. Außerdem kommt noch die Fleischfarbe und dienatürliche Farbe der Pflanzen und Thiere in den Wappen vor. Helmzierden oder Helmkleinodien werden jeneFiguren genannt, welche auf den Helmen angebracht, und je nach der Eigenthümlichkeit der Wappen selbstverschieden sind, in den ältesten Zeiten gewöhnlich aus Hörnern oder Flügeln (Figuren 4 und 2), später aberauch nur in einer Wiederholung der im Wappen selbst vorkommenden Figur (Figur 6) bestanden haben. Diejetzt in den adeligen Wappen allgemein üblichen Kronen beruhen auf einem Mißbrauche, der erst in der späternZeit des Mittelalters zu entstehen anfing. Ganz bedeutungslos ist jedoch die neueste Wappenmanier, wo manoberhalb des Schildes eine Krone, dann den Helm und auf dem Helm noch eine zweite Krone anbringt.Gleichfalls eine moderne Erfindung ist die Unterscheidung von geschlossenen und nicht geschlossenen Helmen füradelige und nicht adelige Wappen, welche im Mittelalter gänzlich unbekannt war, indem man für Wappen(gleichviel ob adelige oder bürgerliche) keinen andern als den Turnierhelm, mithin den geschlossenen Helmgebrauchte, wie solcher in sämmtlichen Figuren des Vorlegeblattes XXX enthalten ist. Die eigentliche Wappen-form für Kronen ist die in den Figuren 7 und 6 enthaltene mit gothischen Laubblättern. Bei kaiserlichen oderköniglichen Kronen wurden die Bügel gleichfalls mit gothischen Laubblättern besetzt, aus welchen in derHaarbeutelzeit wegen Mißverständniß dieser Formen die bis jetzt beibehaltenen Perlen auf den Kronenbügelnentstanden zu sein scheinen. Wie weit der Gebrauch der eigentlichen Wappen zurückreicht, ist noch nicht mithinlänglicher Entschiedenheit festgesetzt, wiewohl der Gebrauch von Sinnbildern schon aus den heidnischen Zeitenstammt, und man einen Anfang der farbigen Wappenschilde schon in den weidengeflochtenen, nach Tacitus mitbunten Farben bemalten, Schilden der alten Deutschen zu suchen hat. Uebrigens kommen Schilde bereits inden Siegeln Ludwigs des Frommen und Karls des Dicken vor. Eigentliche Wappen erscheinen in Siegelngegen das Ende des zehnten, jedoch häufiger erst im eilften Jahrhundert. Namentlich kommt der einköpfigeReichsadler bereits in den Siegeln der Markgrafen von Lothringen seit 979 und 1037, so wie auch 977 in derbekannten Adlersfahne auf dem kaiserlichen Pallast zu Aachen als ein schon von Alters her übliches Reichszeichenvor. Wenn schon die Anwendung von Wappen in Kirchen erst in der gothischen Architecturperiode häufigerwurde, so ist sie doch zur Bezeichnung der Stifter, und sei es auch nur der Stifter einzelner Monumente oderGlasgemälde, auch jetzt noch ganz an ihrem Platze. Die älteste Art der Wappenbildung ist diejenige (Figur 1),bei welcher der Schild vorwärts geneigt und fast liegend, so wie der Helm auf das linke aufgerichtete Eck (überOrt) gesetzt ist. Damit hängt zusammen, daß bei der spätern Form, bei welcher der Schild auf der einen Seite
4) der „Wolanständigen Adcls-Zicrde, Das ist, Neue Anleitung zu der so genanten Herold - oder Wappen-Kunst" Ulm 1694, ist S. 4 ausdrücklich vonden Zeichen oder Schilden der Handwcrrcker, Kauffleute und Bürger unterschiedlicher Städte, welchen ihre Obern erlauben, dergleichen zu führen" die Rede
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