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XXIX.
mit einem Ausschnitte versehen wurde, dieser Ausschnitt auf der geneigten Seite (Figur 6) angebracht ist, wasseine Erklärung darin findet, daß auf dieser Seite der Ritter seine Lanze einlegte. Daher sind auch, wo einzelneschiefftehende Schilde vorkommen, dieselben stets auf die, in den Figuren 1, 2 und 6 des Borlegeblattes xxxdargestellte Art geneigt, und der Ausschnitt darf sich nicht auf der entgegengesetzten Seite, wie in den FigurenK und e nd 2, b ad z, 4 und 9<i 5 des Borlegeblattes XXIX befinden was hier einem Versehen bei derLithographirung zuzuschreiben ist, durch welches diese Figuren verkehrt wurden. Uebrigens hielt ich es beiden mißgeburtartigen Formen, welche man heut zu Tage den Wappenschilden zu geben Pflegt, nicht für ver-lorene Mühe, im Vorlegeblatte XXIX die Art zu zeigen, wie man Wappenschilde von den verschiedenstenArten auf geometrische Weise mit dem Zirkel zeichnen kann, was für solche, welche mit den Schildformennoch nicht vertraut sind, wie nicht weniger bei der Ausführung in natürlicher Größe für die Steinmetzeni. dienlich sein mag. Die älteste Form des Schildes ist die in — Figur 1 des Borlegeblattes XXIX dargestellte,spitzbogige (vergleiche die Figuren 1, 2 und 5 des Borlegeblattes xxx), indem die rundbogige, sonderbargenug, neuer ist, ungeachtet der Rundbogen die ältere, und der Spitzbogen die neuere Architecturform bildet.Der Schildbogen ist hier aus den mit 9 und b bezeichneten, durch die obere Hälfte 6 des Schildes bestimmten(jedoch bei der Lithographirung aus Versehen nicht ganz genau genommenen) Punkten beschrieben (vergl. dieSpitzbogenconstruction in Figur 12 des Borlegeblattes IV). Man trifft jedoch auf den alten Monumenten inder Regel eine unregelmäßige, meist mehr dreieckige, und weniger bogenförmige Schildform an. Die in der —Figur 96 1 gegebene spitzbogige Schildform ist eine neuere. Aus der Hälfte e der Schildbreite 9 k sind die zweiQuadrate se <16 und 6 d 6 f gebildet, und sodann die Distanzen 6 6 und 6 f durch deren Hälften bei A und 1inochmals getheilt, worauf aus K der Bogen fi, und aus U der Bogen <1 i gezogen ist. Die in — Figur 2 gegebenerundbogige Schildconstruction habe ich aus einem alten, in Quart gedruckten Büchlein entnommen, welches denTitel „Geometria deutsch" führt und folgende Erklärung enthält: „So einer ein schilt mit der geometry machn„wil d' mach ein riß mit dn puchstaben: 9. b. e. un das dz. b. in d' mit sey. Darnach mach ein riß vö dem k„schlecht untersich ab als weit vom. b. zu. 9. od. e. ist. So weit mach ein pnckt auf d' linj untersich ab da mach„ein e und reiß ein riß uberzwerch dz dy selb linj gleich d' obern sey. Darnach nym die weyte über ort vom. e.„zum. 9. derselben weiten setz auf dz. b. unnd mach ein punckt da mach ein. K. darnach ei. k. in die mit. darnach„nym ein weit. 9. b. un setz mit eine ort auf dz. k. un mach ein runde riß vom k zum ä. ein exempel hernachxxix.„stet." In der —Figur aä 2 habe ich die vorstehende Constructionsart so benützt, daß der Rundbogen gleichvom Punkte K aus gezogen ist, was dem ganzen Schilde ein schlankes Verhältniß giebt, daher nach Umständenbeide Arten angewendet werden können, und auch, je nachdem das, in den Schild aufzunehmende, Wappenoder der Raum für den Schild beschaffen ist, die Gestaltung nach Maaßgabe der zwischen 6 und A befindlichenPunkte im Ganzen höher oder niedriger gemacht werden kann. Zn der — Figur k nä 2 ist die Ausführungder in Figur aä 2 gegebenen Schildform enthalten, und durch den, in der Figur e aä 2 daneben gestellten,Durchschnitt nach der mit 9 bezeichneten, lothrechten Linie verdeutlicht. Die Abfasung des Schildrandes, welchedem gothischen Style, wie bei andern Formen, so auch hier, eigenthümlich ist, habe ich nach dem fünften Theileder, in der Figur 96 2 enthaltenen, Distanz 6 A vorgenonmmen. Diese Abfasung kann, wie im obern Ecke 92' ^ in — Figur e 96 2 gegebenen Durchschnittes in einer bloßen Fase, oder wie im untern Ecke d in einer Hohlkehlebestehen. Die innere, eigentliche Schildfläche war im ältesten Style (bei der in Figur 1 gezeigten Form) ebenund flach, wurde jedoch später sehr zweckmäßig zum Vortheile des plastischen Effectes ausgehöhlt, wodurch die,das Wappen bildenden Zeichen oder Figuren wenig oder gar nicht den eigentlichen Schildrand zu überragenbrauchen, sondern mit demselben in einer Ebene sich befinden können. Zm Durchschnitte 6 96 2 ist die Höhlungdes Schildes so bewerkstelligt, daß mit dem, nach der Distanz 9 d geöffneten, Zirkel aus 9 und d der Kreuz-schnitt e, und aus letzterem die Kreislinie 9 b der Schildhohlung beschrieben ist. Tiefere Höhlungen würdenübertrieben sein. Uebrigens dient diese Art wesentlich dazu, die Wappenfiguren kenntlich zu machen, selbst wenndie Schilde in bedeutender Höhe angebracht sind. Die Distanzen 6 e und t K oben und unten am Schildrandesind den Distanzen 6 ti oder k § in Figur 2 entnommen. Die von den Punkten 6 und A ausgehende Unterschneidungdes Schildes dient wesentlich zur kräftigeren Schattirung, und dazu, daß sich der Schild von seiner Rückwand trenne.Ueberhaupt liegt in diesem tiefen Unterschneiden aller Ornamente ein wesentlicher Borzug der gothischen vorder antiken Architektur, indem dadurch selbst in großer Höhe oder Entfernung noch alles deutlich bleibt undEffect macht, während dieß bei der flacheren antiken Behandlung nicht in diesem Maaße möglich ist. Die^m-Construction des in der Figur —ä 9ä 2 gegebenen Schildes ist die nämliche, wie jene von Figur 96 2 oderd 96 2, nur daß, um die Biegung des einen Ecks zu erhalten, welche in der Regel bei schief stehenden Schilden