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Der Umfang dieses Buches erlaubte nicht, umständlicher in solches Detail einzugehen, welches, um es vollständigzu begreifen, ohnehin aus den alten Originalmustern selbst studirt werden muß. Größere durchbrochene, vonallen Seiten freistehende Eisenarbeiten bestehen vorzugsweise in Gittern und Geländern. Ueber deren Behandlunghat man sich folgendes Allgemeine zu merken. Entgegengesetzt der Bildung einzelner, nur in einfachen ausge-schnittenen Verzierungen bestehender Theile, welche sich besonders für kleine Spenglerarbeiten eignen und ganzflach sind (wie z. B. die von Blech ausgeschnittene Verzierung des Leuchterprofitchens in Figur 16, oder die obenerwähnten Theile aus der Figur 17), muß vielmehr das Augenmerk bei Behandlung des durchbrochenen Eisen-werks darauf gerichtet sein, demselben das Ansehen einer mit gehöriger Tiefe versehenen Profilirung zu verschaffen,während die Bildung in der That eine ganz einfache ist, indem die Gestaltung förmlicher Profile mit Hohl-kehlen und Plättchen die Arbeit (in den gewöhnlichen Fällen) zu theuer machen würde. Dieß gilt vom gehäm-merten Eisen, welches für Gitter oder Geländer doch allein anwendbar ist, weil das gegossene Eisen bei harterBerührung leicht springt. Ein anderes wäre es, wenn man die Kosten eines Erzgusses nicht scheute, denn beieinem solchen Werke würde die Bildung wirklicher Profile keinem Anftande unterliegen. Die Hauptbestandtheilejedes Eisengitters sind viereckige Eisenftäbe, welche die Hauptglieder des Ganzen bilden müssen. Da nun spitzbogige,oder überhaupt gebogene Linien in Eisenwerk schwieriger, als gerade sind, so habe ich in — Figur 15 das Skelet ,s.einer eisernen Gitterthüre gebildet, deren Hauptglieder ausschließlich aus geraden Linien bestehen, welche in ihremoberen Schlüsse durch ihre Uebereckstellungen doch zu reichen Bildungen führen, und insofern, als der Hauptsachenach nur gerade Eifenftangen hiezu erforderlich sind, leicht, d. h. wohlfeil ausführbar sein würden. Auch dieseGestaltung mag beweisen, daß man im gothischen Style Neues schaffen kann. Die Art, wie die kleinen Winkelsolchen Gitterwerks mit Nasen ausgefüllt werden, ist höchst einfach. Diese Nasen bestehen nämlich lediglichaus kleinen, flachen Streifen von Eisenblech, welche sehr dünn sein dürfen, um sie mit Leichtigkeit nach derjenigenForm biegen zu können, welche die Nasen bekommen sollen; dagegen müssen sie die nämliche Tiefe haben, wiedie Eisenftangen, also, da der Grundriß oder Durchschnitt der letzteren ein regelmäßiges Quadrat bildet, einerSeite dieses Quadrats gleich sein. Zuletzt werden diese einzelnen Blechnasen an den gehörigen Stellen an dieeisernen Stangen angeschweißt. Auf diese Art sind die mittelalterlichen Eisengitter mit wenig Mitteln ausgeführt,und nichts hindert, auch jetzt noch sich der nämlichen, praktischen Methode zu bedienen. Zn den Figuren 1 bis 6habe ich die Bildung solcher Nasentheile im Einzelnen nach verschiedenen Formen gezeigt, und bemerke hierbeinur, daß sie noch dünner als in den Figuren 1 bis 5 sein dürfen, indem die in Figur 6 angenommene Dicke inder Regel genügt. Ueberall sind hier die Nasentheile von den eigentlichen Stangen durch feine Linien getrennt,welche die Stelle bezeichnen, an welchen die Nasentheile angeschweißt sind. Bildet man dieselben, wie in den— Figuren 1 und 2, dann besteht jeder einzelne Nasentheil aus einem einzigen, in solche Form gebogenen i. 2 .Stücke Eisenblech. Während die Figuren 1 und 2, wie auch 3 bis 6 die Stangen nebst ihren Nasen von vorndarstellen, habe ich in der - Figur nä 2 die Stange Figur 2 nebst ihrer Nase von der Seite gegeben, und durch aä 2.blinde Linien (des leichtern Verständnisses wegen) mit der Figur 2 verbunden, wodurch ersichtlich wird, daß dieNasentheile, ungeachtet sie nur unbedeutende Dicke haben dürfen, doch mit der Stange selbst einerlei Tiefe haben.Hierdurch ergiebt sich in der perspektivischen Ansicht der Anschein einer tiefen Profilirung. Die — Figur 3 enthält Z.eine Nase, welche ihrer Form nach aus wenigstens zwei aneinander geschweißten Blechtheilen bestehen muß.
Die in — Figur 4 dargestellte Nasenform ist noch complicirter. Dagegen besteht die in — Figur 5 gegebene i. s.Nase wieder aus zwei Theilen, kann aber eben so gut auch aus einem, in der Mitte zusammengebogenen,Stücke gebildet werden. Auch in — Figur 6 kann die Nase aus einem einzigen, zusammengebogenen Eisenblech- 6.streifen bestehen, nur ist hier noch an der Spitze eine kleine Kugel angeschweißt, was zuweilen vorkommt unddie sonst an dieser Stelle angebrachte Lilienverzierung ersetzt. Letztere kommt übrigens auch in Eisenwerknachgeahmt vor, von welcher Art in den — Figuren 10, 11 und 12 drei verschiedene Beispiele gegeben sind.^n.Die Figur 12 habe ich zum bessern Verständniß in — Figur 12 perspectivisch-geometrisch dargestellt, indem ^ 12 .durch die Seitenansicht die Tiefe solcher Theile anschaulich wird. Die Lilie Figur 11 ist auf den Spitzen des inFigur 15 gegebenen Gitters, wie in der Verzierung über der wagrechten Unterbrechung des Gitters in Figur 14,dann bei dem Wandleuchter in Figur 16, und die Lilie Figur 12 im Maaßwerk innerhalb der beiden Kreisedes Gitters Figur 14 angewendet. Die kleinen Gesimse an den Lilienendigungen in den Figuren 10 bis 12,welche ich auch am Gitter Figur 14 anwendete, umschließen übrigens, wie die Seitenansicht Figur uä 12 zeigt,diese Theile von allen Seiten, und dienen zugleich zur Befestigung der hier zusammenstoßenden Eisenstäbe.
Die —Figuren 7, 8 und 9 sind blumenähnliche Eisenverzierungen für diejenigen Stellen, an welchen sich bei?. 8.9Giebeln oder Wimbergen die Stein-Blumen befinden. Die einfachste Form von Figur 7 habe ich au der