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Die reicher gestalteten Oefen bestehen jedoch in der Regel aus gebrannter Erde, von welcher Art bereits obenS. 115 der Kachelofen der alten Kaiserzimmer zu Meran in Tyrol als Beispiel aufgeführt wurde. Eben so verdientder fialen- und zinnen-gekrönte Kachelofen in der alten Burg zu Füßen erwähnt zu werden, bei welchem ich dievon mir aufgestellte Regel, daß die geometrischen Grundformen auch in den Verzierungen des Aufrisses wieder-kehren sollen, abermals bestätigt fand, indem im Grundriß dieses Ofens das Sechseck die Hauptfigur bildet,und diesem entsprechend auch die einzelnen Kacheln aus Sechsecken bestehen. Besonders interessant sind die farbigglasirten Arbeiten in gebrannter Erde, welche außer den bereits besprochenen Dächern mit solchen Ziegeln auch beiOefen, wie überhaupt bei allen Arten von Gefäßen angewendet wurden, wovon sich noch manche erhalten haben.Man hat zur Wiedereinführung von Hafnerarbeiten mit vielfarbiger Glasur in neuerer Zeit (z. B. in München )lobenswerthe Versuche gemacht.
2. ErZguß.
D
er Hauptunterschied der Arbeiten in Eisen und in Erz oder andern edleren Metallen besteht darin,daß man in letzteren, weil sie gegossen werden, alle Theile mit ihren gehörigen Profilirungen versehenkann, während in Eisen nur einfaches Stabwerk in der oben beschriebenen Art angewendet zu werdenpflegt, es sei denn, daß man auch das Eisen gießt. Die Kronleuchter wurden namentlich bei reicheren Formenin der Regel von Erz, manchmal auch von Zinn gegossen. Die einzelnen Arme solcher Kronleuchter sind gewöhnlichentweder mit Maaßwerk-Verzierungen, nach Art der Figur 16, oder mit Laubwerk-Verzierungen versehen.Ein solcher Kronleuchter befindet sich z. B. in der Kirchhofkapelle zu Obergünzburg . Reicher ist der mittel-alterliche Kronleuchter, welcher sich im Besitze Se. königl. Hoheit des Kronprinzen von Bayern befindet*).Im allerreichsten Style ist der bronzene Kronleuchter, welcher im Chöre des Augsburger Domes hängt.Derselbe hat die Form eines durchbrochenen, oben in eine blumengeschmückte Helmspitze, und unten in eineerkerartige Hängspitze sich endigenden Tabernakels mit Strebepfeilern und Fialen. Seine Arme gehen vonzwei Stockwerken des Tabernakels aus und befinden sich daher übereinander in zwei verschiedenen Reihen,die untersten von größerem, die oberen von kleinerem Umfange. Die Form der einzelnen Arme besteht ingeschweiften Aesten, welche reich mit Laubblättern besetzt sind. Eine andere Art von Leuchtern, welche auchgewöhnlich aus Erz gegossen wurde, sind die Kandelaber oder kandelaberartigen großen Kirchenleuchter. Diesesind ziemlich selten geworden. Als Beispiele von Kirchenleuchter» führe ich diejenigen an, welche sich in derSt. Leonhardskirche zu Frankfurt a. M. und in der Antom'ter Kirche zu Höchst a. M. befinden. Erstere sind inForm von Säulen, welche außer dem (ein Kaufmannszeichen enthaltenden) Wappenschilde (ohne Zweifel desDonators) am gegliederten Säulenfüße und dem eben so (nur umgekehrt) gestalteten Prositchen noch mit zweikleineren, und in der Mitte mit einem größeren Ring-Gesimse, so wie zwischen denselben mit einfachen rundenRingen verziert sind. Diese Leuchter gehören nach ihrem Style wohl der Mitte des sechzehnten Jahrhundertsan. Die Schäfte der (wohl etwas älteren) Höchster Leuchter sind (gleich den vorerwähnten) von unten nachoben verjüngt, und mit einem Gesimse und eckig profilirten Ringen unterbrochen; das Prositchen ist aber nichtgegliedert, sondern einfach ausgebaucht. Aus dem Prositchen erhebt sich noch ein kleinerer, mit gothischem Maaß-werk durchbrochener Schaft, welcher oben mit einem kleineren Prositchen (als unmittelbarer Umhüllung der Kerzeselbst) schließt. An beiden Leuchterarten fällt die, dem Charakter des Styles widersprechende, öftere wagrechteUnterbrechung der Schäfte durch Ringe auf, eine Form, die außerdem nur im Uebergangsstyle (von der vorgo-thischen in die gothische Architektur) an Gewölbschäften vorkommt. Man findet diese Theilung von Leuchterschäftendurch Ringe auch in alten Handzeichnungen, und es scheint üblich gewesen zu sein, solche Ringe wenigstenseinmal, in Mitte des Schaftes, anzubringen. Die kolossalen, bronzenen Kandelaber, mit welchen im Mittelalterdie Altäre zuweilen umstellt waren, sind sehr selten geworden. In den Miniaturen eines Pergamentmanuscriptsder Münchner Hofbibliothek aus dem fünfzehnten Jahrhunderte (welches gewöhnlich Hemmelink zugeschriebenwird) kommen bei Abbildung des Innern einer Kirche solche Kandelaber von eigenthümlich sinnreicher Formvor. Sie sind nämlich wie Säulen gestaltet, auf welchen Engel stehen und Leuchter mit Kerzen in den Händenhalten. In der nämlichen Art waren die erzenen Kandelaber, welche ehedem an den vier Ecken des Altarsim Kölner Dome aufgestellt waren. Die Stephanskirche zu Mainz besitzt noch zwei, vor dem Altar stehende,erzene Kandelaber von 11 bis 12 Schuhen Höhe, welche nach ihrer (lateinischen) Inschrift vom Jahre 1500 sind.Ihre Form ist die von achteckigen Säulen, deren Gliederung aus acht Rundstäben an den acht Ecken, dann
*) Ich sah denselben zufällig auf einer Durchreise zu Ravenöburg, und wurde von Sc. königl. Hoheit zu dessen Ankauf für Höchstdensclben im Jahre 1830beauftragt.
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