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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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der Drucktitel dieses Buches. Die Anwendung solcher Einfassungsarten auf die Behandlung von Holzrahmenwürde zu jener schönen Gestaltung führen, welche wir an den Rahmen von Delgemälden mittelalterlicher Altarebewundern. Wenn man die Kosten durchbrochenen Schnitzwerks vermeiden will, kann solches auch als Arabesken-malerei im obern Schlußfelde des Gemäldes angebracht werden. Noch ein reicheres Feld öffnet sich in den Ein-xxxv. fassungen zu Freskogemälden, von welcher Art ich in der untern Hälfte des Vorlegeblattes xxxv ein Beispielentworfen habe, in welchem eine Wand mit drei Freskogemälden, einem breiteren in der Mitte, und zwei schmälerenzu beiden Seiten (jedoch des beschränkten Raumes wegen abgebrochen dargestellt) angenommen ist. Der, denSockel bildende Theil ist als Vertäfelung in Holz dargestellt, und mußte nach Maaßgabe der Eintheilung derEinfassung abgetheilt werden. Letztere selbst dachte ich mir, als wäre sie grau in grau in Fresko auszuführen. Vonguter Harmonie in Bezug auf die Farben des einzufassenden Gemäldes kann es jedoch auch sein, die Einfassungenin Weiß und Gold auszuführen ; und zwar letzteres bei dunkler, und ersteres bei Heller gehaltenen Gemälden. Willman in den Einfassungen, wie hier, Figuren anbringen, so versteht es sich von selbst, daß solche zu dem Inhaltedes Gemäldes in Beziehung stehen müssen. In vielen Fällen würden Figuren in der Einfassung besser wegbleiben,oder das Ganze könnte mehr arabeskenartig gestaltet sein. Man sollte glauben, es wäre sehr natürlich, bei deutschen Freskogemälden, deren Gegenstände, sei es in geschichtlicher oder symbolischer Beziehung, aus der deutschen Vorzeitgenommen sind, auch für die Gestaltung der Einfassungen den deutschen Styl zu wählen; doch ist diese Ansichtzur Zeit noch nicht allgemein durchgerungen, da wir uns der Fesseln der antiken Kunstrichtung immer noch nichthinlänglich entschlagen haben. Inzwischen hat man doch in vielen Fällen, und vorzugsweise mit Recht bei Dar-stellungen aus der mittelalterlichen Geschichte, die gothische Stylisirung der Einfassungen wieder anzuwendenbegonnen. In diesem Sinne hat auch Barry, der Architect der neuen Parlamentshäuser zu London , in seinemProgramme (s. Kunstblatt No. 75 vom 19. September 1843) die Gestaltung der Einfassungen zu den großenWandgemälden des Innern beschrieben. Uebrigens kommt die Freskomalerei architektonischer Gestaltungen auchnoch auf andere Weise in den mittelalterlichen Werken vor, was mit der polychromischen Behandlung der Archi-tektur in Verbindung steht. Ich meine hiermit jene architektonischen Malereien, von welchen man an Wandflächensowohl im Aeußeren als Inneren von mittelalterlichen Kirchen oder Rathhäusern zuweilen noch Spuren antrifft,und bei welchen der Grund der Maaßwerksfelder häufig mit bunten Farben ausgefüllt war. Zu den hierfür obenangeführten Beispielen füge ich noch die Burg in Füßen hinzu, an deren inneren Hofwänden die grau in graugemalten, mit einigen bunten Wappen unterbrochenen, gothischen Verzierungen aus der letzten Zeit des fünf-zehnten Jahrhunderts, mit welchen sämmtliche Thüren und Fenster umgeben sind, sich fast noch vollständigerhalten haben. Häufig sind solche Gestaltungen auch unter Dachsimsen als scheinbare Gallerieen angebracht.Wie sehr würde sich diese Verzierungs-Art heutiges Tags zur Anwendung bei Privat-Gebäuden eignen, da manohnehin an einigen Orten (z. B. in München ) zweckmäßig begonnen hat, den farbigen, oder Steine vorstellendenAnstrich von Häusern auf den nassen Kalk aufzutragen. Das reichste Feld für die architektonische Malerei bietetjedoch die Anwendung glasgemalter Fenster dar. Hier, wie nirgends, kann der gothische Styl in seinem vollstenReichthums unumschränkt herrschen, da es wohl niemanden einfallen wird, bei der Gestaltung architektonischerTheile von Glasmalereien den antiken, italienischen oder modernen Styl dem gothischen vorzuziehen. Allgemeinbekannt und bewundert ist die Schönheit und Pracht der hinsichtlich ihrer dekorativen Theile im gothischen Styleausgeführten Glasgemälde der neuen Auerkirche bei München , welche allein hinreichen, um den Namen ihresStifters, Königs Ludwig von Bayern, als Wiederherftellers der Glasmalerei in der Kunstgeschichte zu verewigen.Wenn aber auch keine historischen Kompositionen, und selbst wenn gar keine Figuren in Glasgemälden angebrachtwerden, so lassen sich doch, und zwar gerade im gothischen, wie in keinem andern Style, die schönsten dekorativenGestaltungen entwerfen, selbst wenn die Farben lediglich aus Weiß und Gelb bestünden. Ein Beispiel solcherxxxvi. Art ist im Vorlegeblatte XXXV I gegeben, welches aus einer besondern Veranlassung*) seinerzeit von mirentworfen worden war. So einfach die Farben weiß und gelb sind, so glänzend ist doch ihre Wirkung in Glas-gemälden, da sie hier wie Gold und Silber erscheinen, und insbesondere die matte Behandlung des weißen Glases

*) Nämlich für den Saal im Stadel'schen Institute zu Frankfurt a. M., dessen Rückwand mit dem Meisterwerke Veits:der Einführung der Künste in Deutsch-land durch das Christenthum," geschmückt ist. Man war damals der Ansicht, daß die Glasmalerei für die fünf großen, der Rückwand gegenüber befindlichen, Fenster ausRücksicht für die Frcskogemälde, um den Saal nicht zu dunkel zu machen, nur aus weißen und gelben Farbentönen bestehen sollte. Um diese jedoch einigermaaßen zubeleben, wurden bei der Gestaltung des Ganzen die Wappen der Stadt Frankfurt und des Stifters Stadel, sowie in kleineren, untergeordneten Schilden die Wappender damaligen fünf Administratoren der Anstalt angebracht. Veranlaßt war die ganze Idee durch meines verstorbenen Schwiegervaters, des Inspektors C. F. Wend el-stadt, Beschäftigung mit Glasmalerei, welcher, wenn auch die projectirten Glasgemälde nicht zur Ausführung kamen, doch das große Verdienst hatte, in diesem Instituteeinen vollständigen Brennofen für Glasmalerei errichtet zu haben. Letzterer läßt nach den, in ihm von Wendelstadt, Wallenberger und mir zur Probe ausgeführten,kleineren Glasgcmälden nichts zu wünschen übrig, und kann, wenn er auch zur Zeit unbenützt steht, doch für die Zukunft Gelegenheit zur Einführung und Betreibungdieses Kunstzwcigcs in Frankfurt geben.