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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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den schönsten Effect zulaßt. Das hier in der Zeichnung mit schwarzen Linien gegebene Dessin eines weißenDamaftgrundes würde nämlich bei der Ausführung im Glasgemälde in glänzend weißen Silberlinien auf einemmattweißen Grunde erscheinen. Ueber den Wappengruppen habe ich krönende Baldachine angebracht. Die Fenster-rahmen sind von Eichenholz gedacht, und außerhalb am untern Rahmftücke (s. den Durchschnitt) mit einerWassernase versehen, damit der Regen nicht in die Fuge zwischen Holz und Mauer eindringen kann. Der ziemlichschlanke Fensterpfosten ist durch je zwei tüchtige eiserne Stangen zusammengehalten, welche nach Maaßgabe derComposition der Architektur so angebracht sind, daß die Zeichnung der letztem nicht störend unterbrochen wird.Das Holzgewand ist hier nicht zum Oeffnen eingerichtet; dieß kann jedoch bei den einzelnen Theilen der eisernenRahmen bewerkstelligt werden. Da es sich in dem gegebenen, projectirten Falle nur um die Umgestaltung bereitsvorhandener Fenster handelte, so schrägte ich das rechtwinklige Fenftergewand zu beiden Seiten (siehe Grundriß)wenigstens einigermaaßen ab. Unbegreiflich ist es, warum man die selbst noch im vorigen Jahrhunderte allgemeinüblich gewesene Abschrägung der innern Fenstergewände, welche für die Lichtgewinnung so wesentlich ist, bei denmodernen Gebäuden allenthalben mit dem rechten Winkel vertauscht hat, welcher weit weniger Licht zuläßt. Ueberdie Behandlung der Farben in Glasmalereien führe ich noch an, daß man stets bedacht sein muß, dunkle Farbennicht neben einander zu setzen, sondern durch hellere zu trennen, und daß stets die Wahl weniger Farben diebeste Wirkung hervorbringt. Bei den Glasmalereien in den maaßwerkdurchbrochenen Fenster-Theilen haben dieAlten häufig an allen Rändern neben dem Fals ringsum schmale Streifen von weißem, oder auch gelbem Glaseangebracht, wodurch sich die dunkleren Glasfarben von der dunklen Steinfarbe des Maaßwerks glänzend absetzen;eine Anordnung, welche zur Nachahmung sehr zu empfehlen, und bereits von Boisseree in seinem KölnerDomwerke (zweite Ausgabe S. 45) mit Recht hervorgehoben worden ist. Was die Berbleiung der Glasmalereienbetrifft, so ist dieselbe bei großen Fenstern (besonders Kirchenfenstern) nicht nur für die Solidität und Halt-barkeit, sondern meiner Meinung nach selbst für die Schönheit des Ganzen unentbehrlich, da die Berbleiung,welche sich stets nach den Linien der Conturen richtet, der ganzen, auf die Ferne berechneten Composition erst ihrebestimmte Zeichnung und Haltung verleiht, was ohne das Blei nicht möglich wäre. Auch kann das Blei, wenndurch die vielfarbigen Glastheile nur ein dekoratives Dessin (gleichsam mosaikartig) ausgeführt werden soll, dieStelle der Zeichnung völlig vertreten*). Beispiele schöner Glasmalereien in Bezug auf architektonische Gestaltungenfinden sich in dem großen Boisseree'schen Prachtwerke über den Kölner Dom und dem Müller'schen über dieOppenheimer Katharinenkirche.

*) In dieser Art habe ich eine Zeichnung zu einer Glasmosaik für fünf Fenster im Hause des Freiherr» vr. v. Bernhard zu Augsburg entworfen, bei welcher dieGrastheile so klein und das Blei so fein ist, daß durch letzteres die eigentliche Zeichnung gebildet, und ein weit schönerer Effekt hervorgebracht wird, als wenn mandurch Schleifen des Ueberfang - Glases oder Aufschmelzen von Farben das Blei hätte vermeiden wollen. Diese Art ist übrigens auch der geringeren Kosten wegenempfehlenswerth.