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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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kastenförmig gestattet ist. Außer solchen Altären giebt es noch eine andere Art von Steinaltären, welche untereinem Gewölbe sich befinden, das von vier, im Viereck gestellten, Säulen getragen wird. Von außen sind dieseSäulen durch wimbergenartige Gestaltungen vereinigt, hinter welchen das Ganze am besten durch maaßwerk-durchbrochene Gallerien geschlossen, und an den vier Ecken mit Fialen gekrönt wird. Dieser Art gehören dieschönen, viereckigen Altäre im Regensburger Dome an, von welchen einer im fünften Blatte des ersten Heftes desoben erwähnten Werkes von Bülau und Popp über die Architektur des Mittelalters in Regensburg dargestelltist. Die Stelle solcher Altäre ist stets unter den kleinen Scheidebögen zwischen dem Langhaus und seinen Flügeln,weil sich hier das Viereck von allen Seiten frei darstellt, während, wenn man viereckige Altäre in den Chorschlußstellen würde, eigentlich nur eine Seite des Vierecks sichtbar sein könnte, die übrigen Seiten aber dem Anblickgrößtentheils verloren giengen. Auch in der Klosterkirche zu Maulbronn befinden sich solche viereckige Altäre (welchebereits oben erwähnt wurden) unter den Scheidebögen zwischen dem Langhaus und seinen Flügeln. Es war daherein entschiedener Mißgriff, bei der letzten Restauration des Regensburger Domes diese viereckigen Altäre vonihren alten Fundations-Stellen in den Chorschluß der Flügel zu versetzen, wenn auch diese Versetzung insofern-wohlgemeint war, als dadurch Altäre in modernem Style durch mittelalterliche ersetzt wurden. Auch die steinernenLetner sind hier zu erwähnen, mit welchen ehedem die Kirchenchöre vom Langhause geschieden wurden, eine Ein-richtung, welche vom ältesten Rundbogenstyle in die gothische Architektur übergieng, wie u. a. der mit dem ältestenBautheile des Klosters Maulbronn noch gleichzeitige, dortige Letner beweist. Die Marburger Elisabethskircheenthält noch ihren Letner (abgebildet in der Ansicht des Innern in Möllers Werk). Im Frankfurter Archiv istder alte Bauriß des Letners zu sehen, welcher in dem dortigen Dome von Kaiser Karl vn abgerissen wurde.Er enthält drei offene gothische Bögen, welche eine Gallerie mit durchbrochenem Maaßwerk tragen. Dievier Schäfte der drei Bögen waren mit den Statuen der Maria, dann der heil. drei Könige besetzt, über diesenaber vier, die Gallerie überragende, Baldachine angebracht. Andere kleine Monumente in Kirchen bestehen meistin tabernakelartigen Gestaltungen, wie z. B. die Sacramentshäuschen. Außer den bereits oben erwähnten,reichen Beispielen in der Nürnberger St. Lorenzkirche und dem Ulmer Münster führe ich auch noch jenes in derHauptkirche zu Donauwörth an, welches sich durch schöne Reliefs und die lebensgroße, runde Figur eines Pilgers(wahrscheinlich des Meisters) auszeichnet, der unter dem Sacramentshäuschen auf einer Strohmatte schläft.Auch die Dorskirche zu Kalkreuth in der Gegend von Erlangen besitzt ein schönes Sacramentshäuschen. DieKanzeln gehören gleichfalls unter diese tabernakelartigen Gestaltungen. Ausgezeichnete Beispiele sind die Kanzelnim Straßburger, Freiburger und Wiener Münster, die beiden letzteren mit den Brustbildern ihrer Meister geziert.Zuweilen sind auch die Laufsteine von so reicher Bildung, daß sie allerdings Monumente genannt werden müssen.So der mit Figuren und Basreliefs ebenso reich, als sinnreich aus der Dreizahl construirte Laufstein im Ulmer Münster , welcher zwischen drei Pfeilern steht, die durch ein Gewölb verbunden sind, und über diesem zu einertabernakelartigen Gestaltung sich vereinigen. Nach ähnlicher, reicher Construction aus dem Dreieck ist der Zieh-brunnen im südlichen Flügel des Regensburger Domes gebildet, aus welchem die Weihbrunnen dieser Kircheversehen werden. Mehr den Charakter eigentlicher Monumente tragen die Darstellungen von heiligen Gräbern.Gewöhnlich ist hier das Grab mit dem Leichname Christi durch eine, von vier Pfeilern gestützte, Architektur nachArt der viereckigen Steinaltäre überbaut, nur daß hier die Grundform statt eines regelmäßigen Quadrats ineinem oblongen Viereck besteht. Ein schönes Beispiel dieser Art befindet sich im südlichen Kreuzarme des Frank-furter Domes. Die Oelberge sind meistens außerhalb der Kirchen zwischen Strebepfeilern angebracht und mitarchitektonischer Zierde überwölbt; manchmal stehen sie frei neben der Kirche, gekrönt mit tabernakelartiger Gestal-tung, wie der bereits oben erwähnte, wenn auch theilweise verstümmelte neben dem Dome in Speier, oderjener neben der Hauptkirche zu Ueberlingen. Sehr reich soll der, leider zerstörte, ehemals neben dem Ulmer Münster , gestandene, gewesen sein.

z. Insbesondere Grabmonumente.

as die eigentlichen Grabmonumente betrifft, so befanden sich dieselben im Mittelalter entweder in,(in der spätern Zeit) außen an den Kirchen, oder wenigstens in ihrer nächsten Umgebung, da dieErrichtung gesonderter, von den Kirchen entlegener Kirchhöfe, eine neuere Einrichtung ist. Die Mittel-decken Grabmonumente im Innern der Kirchen waren entweder liegende, oder stehende, oder Hochgräber.av ,'eaenden welche ursprünglich zum Fußboden (besonders in Kreuzgängen) dienten, bilden die älteste Art, und7^ ' , .»sän « nur aus, in die Steinplatte eingegrabenen, Konturen. Vielleicht mag gerade die weitere Ent-wicklung der Kunst dazu geführt haben, die mit Relief-Arbeit versehenen Grabsteine nicht mehr auf den Boden