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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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die gegenseitigen Uebereckstellungen und das Durchwachsen der Theile durcheinander zu malerischen Formen führen,zeigt sich hier in der Stellung der Eckpfeiler zu den vordem Kanten des Dblongums, indem beide gegenseitig in-einanderstecken. Die Liefe der Profilirung des Spitzbogens gereicht dem Relief des Wappens zum Schutze, welchesvon dem verstorbenen, talentvollen Bildhauer Harres (aus Darmstadt ) in Ton modellirt, gebrannt und sodann inden Stein eingesetzt wurde. Die Verschiedenheit der Farbentöne des Sandsteins und der gebrannten Erde ist (wiesich auch hier bewährte) von guter Wirkung, abgesehen davon, daß modellirte und gebrannte Gegenstände wohlfeilersind, als in Stein ausgehauene. Aus dem kleinsten und schmalften der vorhandenen Steine bildete ich, da desgegebenen Materials wegen doch nur ein wagrechter Abschluß möglich war, einen Zinnenkranz, und führte denwagrechten Schluß consequent auch an den einzelnen Theilen, wie z. B. den Eckpfeilern, durch. Es dürften jedochder wagrechten Linien an den Sockeln zu viele sein, und daher, insofern der unterste, wie der des Gewandes derSchrifttafel (um ihren Charakter als solche zu bewahren) nothwendig sind, der unmittelbar über dem unterstenSockel befindliche mit dem Gewandsockel besser in einen einzigen vereinigt und beziehungsweise letzterer heruntergesetzt worden sein, wodurch die ohnehin kleine Schrifttafel mehr Höhe erhalten hätte. (Daß die Zinnen an der Seiten-ansicht fehlen, geschah der Kostenersparung wegen.) Der Durchschnitt, wie das im Vorlegeblatte unten gegebeneStück der Rückwand zeigen die inwendige Construction der Zinnen, bei welchen das Wasser vorn abtropft. In derWirklichkeit treten aber die Zinnen noch mehr (wie in der Zeichnung) als solche hervor, indem in der Perspektive dieSchlußlinie hinter den Zinnen weiter herunter fällt. In dem im Vorlegeblatte XXXVII dargestellten (aufxxxvn.dem Kirchhofe zu Sachsenhausen bei Frankfurt ausgeführten) Grabsteine ist eine rein geometrische Constructiondurchgeführt, welche besonders deßhalb für die Steinmetzen von Nutzen ist, weil sie die Ausführung in natürlicherGröße ungemein erleichtert. Hierdurch wird nämlich der Gebrauch des Maaßstabs als solchen überflüssig, indem alleMaaße aus den Distanzen der, in natürlicher Größe auf den Stein selbst (bei dem Steinschnitt der Linie n p) aufge-rissenen, Grundrißeintheilung in den Aufriß aufgetragen werden. Die Höhe des Ganzen war durch die Höhe derKirchhofmauer bestimmt. Die gegebene Breite der ganzen Bodenfläche theilte ich in 10 gleiche Quadrate, von wel-chen 3 (s. linke Seite des Grundrisses) neben dem Steine einschließlich der Steineinfassung für den (mit deren Höhegleich zu ebenenden) Boden leer gelassen, und die 4 mittleren Quadrate für den eigentlichen Körper des Grabsteinsohne Sockel und Eckpfeiler bestimmt wurden. Die Eintheilung des Hauptkörpers durch 4 Quadrate führte zur An-wendung der Quadratur, aus welcher sodann die Eintheilung des Ganzen, wie aller seiner Glieder entwickelt wurde.

Das linke Eckquadrat ist zuerst mit seinen Diagonallinien durchkreuzt und in die obere Hälfte ein Kreis einge-schrieben. Aus dem Centrum n ist die lothrechte Linie I) n errichtet. Durch diese theilt sich die obere Quadrathälftewieder in zwei kleinere Quadrate, von welchen das linke gleichfalls mit seinen Diagonallinien durchkreuzt, und indasselbe noch ein zweites Quadrat über Eck gestellt wird, durch dessen Seite o y sich die Abfasung des Eckes vonselbst ergiebt. Die Linie 8 m entsteht durch die Kreuzungspunkte 8 und m der Diagonallinien und des Kreisesim großen Quadrate. Die Distanz r o unterhalb des großen Quadrats ist von v nach 3 getragen und dadurch dieTiefe des Ganzen bestimmt, deren Normirung nach dem Quadrate allein für die Seitenansicht zu schmal ausge-fallen sein würde. Die Breite 6 ä des Eckpfeilers ist der Distanz a b entnommen. Aus den Punkten A und6, welche mit den Punkten 6 und k in gleicher Richtung liegen, ist mittelst Oeffnung des Zirkels nach der Di-stanz r o der Kreuzschnitt k, und aus diesem die Hohlkehle § 6 beschrieben. Das Dreieck x ^ x ist dem schonvorher normirten Dreieck o p y gleich. In letzterem wird mittelst Oeffnung des Zirkels aus u bis an die Linienp o und p <i ein Kreis beschrieben, welcher durch seine Durchkreuzung mit der Linie p n das Maaß für dasinnerste Dreieck abgiebt. Die Distanz von o nach 6 6 für den Sockel ist der Distanz von 6 1r bis zu demDurchkreuzungspunkte der Linie n p und des, dieselbe durchschneidenden, Kreises gleich. Aus n ist die Hohl-kehle t n durch Oeffnung des Zirkels nach der Distanz i 8 beschrieben. Die beiden Hohlkehlen der innernGewandung sind aus m und 1 mittelst Oeffnung des Zirkels nach der Entfernung des Punktes r von derLinie 8 6 gezogen; I ist aber von a eben so weit, als o von n, und die mit KA bezeichnete Linie von der Liniea j so weit, als der Punkt 8 vom Punkte p entfernt. Letzterer Distanz ist auch jene gleichgebildet, welche vonder, zwischen AA und m befindlichen, Linie bis zur äußersten (unten mit 4 bezeichneten) Quadraturliniesicherstreckt. Die Aufgabe der Gestaltung des Aufrisses war ohngefähr die nämliche, wie bei dem, im Vorlege-blatte XXXIV dargestellten, Grabsteine: d. h. die geringe Höhe der Kirchhofmauer (welche bei den, an sie an-gelehnten, Monumenten in den meisten Orten als vorschriftsmäßige Höhe angenommen ist) erlaubte auch hiernicht, einen giebelartigen Schluß anzubringen, weil sonst das Ganze zu kleinlich ausgefallen sein würde, daherauch dieser Grabstein wagrecht abgeschlossen werden mußte, was hier noch einfacher durch einen, ein Stein-dach formirenden, Wasserschlag geschah. Dieser wagrechten Linie entsprechend, ist auch der Schriftraum (wenig-

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