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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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Religion wurde erst unter Kaiser Constantinus als die des Staates eingeführt. England, wo bereits Tertul-lianus und Origines christlicher Gemeinden erwähnen, war in Sitten und Künsten völlig romanisirt. Auf derSynode zu Arles (314) waren drei britische Bischöfe anwesend. Noch im Jahre 369 befand sich ein römischerStadthalter zu London und erst um 422, bei'm Eindringen der germanischen Völker in die römischen Provinzen,begann Kaiser Honorius, die Legionen aus England zurückzuziehen. Die von den Römern errichteten Tempelund andere öffentliche Gebäude, dann die unter Constantinus erbauten Basiliken bildeten die Grundlage, aufwelcher nach der sächsischen Landung (449) fortgebaut wurde. Doch hat sich in England wegen der auf einanderfolgenden Verwüstungen der Sachsen , Dänen und Normannen äußerst wenig von römischen Bauten erhalten.In Spanien , wo der Apostel Jakobus der Zebedäide zuerst das Evangelium verkündigt haben soll, und vonKirchen und Bischöfen schon um 250 Erwähnung geschieht, wurden die Römer erst 409 von den Wandalenvöllig verdrängt. Römische Elemente hatten in Spanien noch mehr als in England die einheimischen unterdrückt,und die Bauten der Römer wurden daher auch in diesem Lande Vorbild für die nächstfolgende Zeit. Nochjetzt besitzt Spanien eine außerordentlich große Anzahl römischer Ruinen. So befinden sich, um nur einigeBeispiele anzuführen, zu Sagunt die Reste eines römischen Theaters und zweier römischen Tempel (auf demEcho-Platze), oder zu Tarragona , dessen Stadtmauer noch einige antike Theile enthält, die Ruinen einesAmphitheaters, einer Wasserleitung, eines Pallaftes (des Augustus) und eines Grabmonumentes, ferner zuMerida die Ueberreste von Tempeln des Jupiter, des Mars nnd der Diana, einer Wasserleitung, einer Cisterne,einer Naumachie, eines Theaters, eines Circus und eines Triumphbogens. In Frankreich hatten die GallierSprache und Sitten von den Römern angenommen, unter deren Herrschaft die christliche Religion gleichfallsEingang fand, indem um die Mitte des zweiten Jahrhunderts die ersten Kirchen entstanden zu fein scheinen,und gegen die Mitte des dritten schon zu Toulouse, Narbonne, Arles, Clermont, Limoges, Tours und Paris Kirchen gegründet wurden. Erst mit dem Beginne des fünften Jahrhunderts wurde die römische Herrschaft vonden Westgothen gestürzt. Wie sehr in Gallien römische Art und Weise einheimisch geworden war, beweisendie zahlreichen Ueberreste römischer Bauwerke, besonders im südlichen Frankreich . So besitzt die Stadt Nismesdie Reste eines Amphitheaters und zweier römischer Tempel, von welchen der eine, genanntmaisou yuurree,"im korinthischen Style ist, und der andere im Innern viereckige Nischen mit Halbsäulen vor denselben enthält.Zu Vesone befinden sich die Reste eines Amphitheaters und eines Tempels, zu Bordeaux und Samtesdie Ruinen von Arenen, und zu Arles , Dränge und Lillebonne die Ueberreste römischer Theater. InDeutschland war das Verhältniß ein anderes. Hier mußten die Römer, statt die Ausübung der Künstein dem Maaße, wie in andern eroberten Ländern pflegen zu können, vielmehr vorzugsweise darauf bedachtsein, die einmal inne habenden Landesstrecken zu erhalten. Es war daher ganz eigentlich das alte deutscheHeldenthum die Schutzwehr, welche verhinderte, daß die römische Kunst den nämlichen überwiegendenEinfluß auf die Entwicklung der ältesten einheimischen Baukunst üben konnte, wie solches in England,Spanien und Frankreich geschah, welche vollkommene römische Provinzen geworden waren. In Deutsch-land hatte dagegen seit der großen Niederlage des Varus im Teutoburger Walde (im Jahre 9 vor Chri-stus) der Krieg gegen die Römer nie völlig aufgehört. Besonders seit dem Jahre 162, wo die Völker amRheine sich erhoben, und der Markmannische Völkerbund zu Stande kam, wurden die Römer immer mehrzurückgedrängt, und der Kampf endigte nur mit ihrer gänzlichen Vertreibung. Ohnehin hatten die Römer nurdie Grenzländer von Deutschland, und besonders das linke Rheinufer, namentlich die beiden Germanien amOberrhein und Niederrhein bis hinab nach Belgien, in ihrer Gewalt. Dem Rhein entlang hatten sie die OrteBasel, Straßburg, Rheinzabern, Metz, Speier, Worms, Mainz, Koblenz, Bonn, Köln, Jülich, Aachen, Trier gegründet. Die zweite Scheidelinie bildete das rechte Donauufer. In dieser Richtung hatten die Römer Bregenzam Bodensee, Kempten, Augsburg, Regensburg, Salzburg, Linz, Cilly, Wien erbaut. Alle diese Orte warenrömische Festungen, in welchen bei deren allmähliger Vergrößerung römische Cultur und Kunst gedieh. Diebeiden Flüsse blieben jedoch die Grenze, wenn diese auch zeitweise von den Römern überschritten wurde. Das-jenige, was im dießseitigen Deutschland von römischen Bauten noch aufzufinden ist, besteht fast ausschließlichnur in Spuren von Römerstraßen, Schanzen und einzelnen Thürmen. Von diesen römischen Thürmen ist jeneArt des Steinschnitts im rohesten rustieo auf die Deutschen übergegangen, nach welcher die einzelnen Steinevor ihrer Versetzung in den Bau nur an denjenigen Stellen, an welchen sie an einander stoßen, so wie auf der,dem Innern des Gebäudes zugewendeten Seite behauen, hingegen an der, gegen Außen gerichteten, mithin

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