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obersten .Theil bildete, wenn nämlich die mittlere Halle der Basilike(wie im altgriechischen oder pompejanischenStyle) offen stand und einen Hof bildete, welcher in den pompejanischen, und allen morgenländischen Häusernniemals fehlt. Entgegengesetzten Falls bestand der oberste Theil aus den Fensteröffnungen, wie in der UlpischenBasilika, in welcher dieselben durch Karyatiden gebildet wurden. In dieser Anordnung enthielt bereits die alt-römische Basilike jenes Höhenverhältniß, welches, nur anders modificirt, als Dreitheiligkeit der Höhe des Mittel-schiffs im mittelalterlichen Rundbogenstyle wiederkehrte, und im Spitzbogenftyle seine schönste Entfaltung erhielt.Die niedrigeren, äußern Seitenmauern waren, den Säulenweiten gegenüber, mit Fenstern (zuweilen in zweiReihen über einander) durchbrochen. Die untersten Oeffnungen reichten, vielleicht in der Regel, gleich Thorenbis auf die Erde herunter, und erleichterten so den Verkehr. Letztere Anordnung fand in der sessorianischenBasilike statt. Sämmtliche Hallen waren (wo nicht ausnahmsweise die mittlere offen stand) mit flachen,getäfelten Decken geschloffen, von Holz und mit Goldblech überzogen, oder im reichsten Style auch ganz aus ver-goldetem Erz. Entgegengesetzt dem halbzirkelförmigen Tribunale auf der Rückseite befand sich auf der Vorder-seite der Haupteingang und vor demselben eine Säulenstellung, welche eine Vorhalle (porti6N8) bildete. Die west-liche (flache) Giebelmauer war mit Fenstern versehen: in der sessorianischen Basilike mit je neun rundbogigenin zwei Reihen über einander, welche sich zwischen, gleichfalls rund überwölbten, Mastern befanden; eineAnordnung, welche, insofern sie ursprünglich war, als Vorläufer der nämlichen, im ältern mittelalterlichenRundbogenstyle gewöhnlichen Behandlungsweise zu betrachten ist. Die Nachrichten über die altrömischenBasiliken sind sehr mangelhaft. Man nimmt an, daß es auch altrömische Basiliken gegeben habe, welche aus-nahmsweise, gleich den kleineren mittelalterlichen Kirchen, nur aus einer einzigen Halle bestanden hätten, undführt als Beispiele die sogenannte knsillea KineininnÄ zu Rom (seit dem fünften Jahrhundert S. Andreain Barbara), oder jene in dem alten Aquino und zu Präneste an. Gewiß ist, daß die Basiliken mit drei Hallen(wie später die dreischiffigen Kirchen) die Regel bildeten. Eine solche Basilike war die von Vitruvius zu Fano erbaute. Ruinen zu Alba am Fuciner-See hält man gleichfalls für die Ueberreste einer dreischiffigen Basilike;eben so das, an der Stelle der antiken Stadt Dctriculum unweit des heutigen Dtriculi 1777 ausgegrabene,Gebäude. Letzteres hat zwar eine gewisse Aehnlichkeit mit einer Basilike, kann jedoch kaum als solche ange-nommen werden, da außerhalb der Nebenhallen noch besondere, einzelne Räume sich befinden, wodurch dasGanze, statt ein oblonges, ein viereckiges Verhältniß hat. Eine, wenigstens theilweise, wenn auch gänzlich moder-nisirt, noch vorhandene altrömische Basilike mit drei Hallen ist die sogenannte irnsiUen 8688oiirrnn (jetzt
S. Croce in Gerusalemne), welche hier
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in Figur 28 (gleich den Figuren 29 bis.'tt)aus der leonotzraptüe tie8 6diüo68Home uueienne pur l'ulmteXnZioIo IIM6I L bruchstückweise wie-dergegeben ist. Dieselbe gibt ein Bild vonder einfachen Beschaffenheit des Quer-Raums vor den Tribunalien. Im reichen Style hatten die altrömischen Basiliken, statt drei, fünfHallen. In den,auf dem capitolinischen Museum zu Rom aufbewahrten, Fragmenten des auf Marmorplatten eingravirten,alten Stadtplanes von Rom (Uggeri Band XXIII, pl. XVIII et XIX) befinden sich die Grundrisse der, vonTrajanus errichteten, Basilika Ulpia und der doppelten Basilika der Aemilier, welche aus zwei, an ihrer Langseitean einander stoßenden, Basiliken bestand. Beide hatten fünf Hallen und waren sohin Vorläufer der späternmittelalterlichen, fünfschiffigen Kirchen. In der Aemilischen Basilike*) (Figur 3») war die Querhalle vor demTribunale mit drei Säulenreihen versehen, und enthielt daher schon eine weitere Ausbildung dieses Raumes,welcher in der spätern, christlichen Zeit in das Quer- oder Kreuz-Schiff umgewandelt wurde. Sehr interessantist ferner die Säulenstellung in dem halbzirkelförmigen Tribunale, welche durch die Verbindung dieser Säulenmit der Kreismauer des Tribunals durch kleine Wandstücke bereits eine Art von Vorbild für den mittelalter-lichen Kapellenbau im Chorschlusse der Dome enthielt. Die heidnische, altrömische Basilika enthält demnachfür uns die wichtigste Bedeutung dadurch, daß sie das unverkennbare Vorbild der altchristlichen Basilike, wiediese das Vorbild der mittelalterlichen Dome war.
*) Ein, freilich sehr ungenügender, Aufriß der Aemilischen Basilike befindet sich auf einer alten römischen Münze, welche in -lolui Nilnei-'s trontisv »„ tlioLvelosiastionI ^rvliiteoture okLnZstanä, r,oinioii 1835, unter Figur 3 abgebildet ist.