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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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sowie in der Art, daß man durch das Vorspringen der Arme des Querschiffes dem Ganzen eine beiläufigeKreuzgestalt ertheilte. Unter den vielen Basiliken, welche während Constantin's Regierung erbaut wurden, wardie bedeutendste jene von S. Peter (oder die vatikanische), welche Constantin zur Feier seiner einundzwanzig-jährigen Regierung, sowie zum Andenken seiner Bekehrung zum Christenthums (als er während der siegreichenSchlacht gegen Maxentius ein Kreuz in der Luft sah) an der Stelle (324 326) zu Rom errichtete, wo Anacletusdem Andenken seines Lehrers S. Peter schon vormals eine kleine Kapelle errichtet hatte. Bei diesem Baue findetsich zum erstenmale die Andeutung der Kreuzform, indem, wie der Grundriß in Figur 31 zeigt, der, zwischendem Tribunal und den fünf Schiffen durchschneidende, Querraum zu beiden Seiten vorsprang. Die, in diesemKreuzschiffe in den Wänden angebrachten, Nischen altrömischer Form waren Zeugen für die Aechtheit des Alter-thums dieser Kirche. Die sichtbaren Dachsparren gehörten jedoch (gleich den, mit Abtheilungs-Pfosten versehengewesenen, Fenstern des Hauptschiffs) spätern Restaurationen an. Gleichen Grundriß mit der (bei dem Neubauder jetzigen Peterskirche abgerissenen) Basilika S. Peter's hatte die (im Jahre 1823 durch Brand verwüsteteund seitdem im alten Style wieder hergestellte) Basilika S. Paul's (seit 386). Letztere unterschied sich von ersterernur durch die, 489 restaurirte, etwas größere Tribunal-Nische, sowie dadurch, das die Vorspränge des Kreuzesnur risalitartig waren. Dagegen gehörte die Säulenstellung im Kreuzschiffe einer spätern Restauration an.Eine dritte Basilike mit einem Kreuz und fünfSchiffen war die busilien Ooristuntinlarm oder lateranenM,jetzt S. Giovanni in Laterans (gegründet um 324). Zwar stürzte dieselbe am Ende des neunten Jahrhundertsbei einem Erdbeben ein, und wurde erst 910 wieder auferbaut, jedoch augenscheinlich nach dem alten Grundrisse,mit welchem man nur die einzige Veränderung vornahm, daß man mit Beibehaltung der Kreismauer derTribunal-Nische außerhalb derselben noch eine zweite größere, und zwischen beiden eine Säulenstellung (gleich-falls im Halbkreis) hinzufügte, bei einer noch spätern Restauration (wahrscheinlich nach dem Brande von1308) aber die äußere, größere Tribunal-Nische in ein Vieleck umwandelte und dem entsprechend auch die äußereSeite der innern, kleineren Tribunal-Nische polygonartig gestaltete, sowie die Winkel beider Vielecke (inwendig)mit Mastern und Halbsäulen versah*). Denkt man sich diese spätern Zusätze hinweg, so war der nämlicheGrundriß vorhanden, wie ihn S. Peter und S. Paul hatten. Die spätere Modernisirung des ganzen Schiffes(1600) und die nochmalige jüngste Restauration nach Boromini's Zeichnungen hat die ursprüngliche Gestaltdes Schiffes gänzlich verändert, indem die antiken Säulen jetzt vermauert, und in massive, viereckige Pfeilerumgewandelt worden sind. Hervorheben muß ich hier, daß, was die Gestaltung der Tribunal-Nische betrifft, dasVorkommen kleinerer halbzirkelförmiger Tribunen neben der großen ein wesentliches Kennzeichen einer späternPeriode ist, vom byzantinischen Styl ausgieng, der ursprünglichen Form der altchriftlichen römischen Basilike aberdurchaus fremd war. Abweichend von der bisher beschriebenen Grundrißgestaltung dreischiffiger Basiliken,welche den altchristlichen Basilikenstyl vorzugsweise charakterisirt, ist die in Figur 29 gegebene Grundrißform.Diese ist dadurch von der früheren Gestalt (Figur 28) verschieden, daß das, die spätere Kreuzeintheilung gewisser-maaßen andeutende, Querschiff in der eigentlichen Architektur verschwand, wenn schon die innere Schranken-eintheilung und die vorgeschobene Stellung des Altares mit den Ambonen als Bestandtheile des altchristlichenRitus in ihrer bisherigen Stellung blieben. Es scheint, daß diese, von der früheren Grundrißbildung nichtunmerklich abweichende, neuere Form vor dem fünften Jahrhunderte gar nicht vorkam, und erst nach demsechsten üblich wurde, indem ihre etwaige Spur in ältern Basiliken jedenfalls spätern Restaurationen zuzuschreibensein dürfte. Die Basiliken mit dieser Grundrißform (Figur 29) gehören demnach dem altchriftlichen Zeitalterim engern Sinne nicht mehr an, weßhalb ich dieselben erst weiter unten einschalten und näher erörtern werde.Was nun die zweite Hauptfrage, nämlich den Umstand betrifft, ob die Säulen der altchristlichen Basilikendurch den Architrav oder Rundbogen verbunden waren, so herrschte die Anwendung des Architravs vor, undgieng wohl zunächst von der altrömischen sessorianischen, unter Constantin zur Kirche eingeweihten, Basilike aus,in deren jetziger Gestalt der alte Grundplan noch wiederzuerkennen ist, wenn schon bei'm spätern, innernWiederbau unter Lucius n. zur bessern Unterstützung zwischen die Säulen Pfeilermauern gesetzt wurden, wobeiman die antiken Granitsäulen beibehielt. (Auch die Tribunal-Nische verbaute man damals außerhalb, indemzu beiden Seiten Eingänge zu spätern Kapellen angebracht wurden.) Nach dem Beispiele der, in dieser Basilikedurch den Architrav verbundenen, Säulen waren auch jene der alten S. Petersbasilike mit dem Architrav über-deckt. In der Basilike S. Maria Maggiore, welche den Charakter der constantinischen Periode (ungeachtet

) Bergl. IlKKvri p^rti« II «iu su^plemont, pl. IV.