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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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vor, wo deren Vergleichung mit den reichausgezackten Blättern der korinthischen Kapitäle des Mittelschiffses recht erkennen läßt, daß sie nur die einfache Grundform der letzteren sind. Nach dem Muster der altrömischenBasiliken behielt man die Rundbögen für die Fenster, und den Architrav zur Verbindung der Säulen, sowiedie flachen Holzdecken für das Innere sämmtlicher Hallen oder Schiffe, und den flachen, dem südlichen Klimaentsprechenden, Giebel für das Aeußere bei. Säulen, oder wenigstens Kapitäle und einzelne Gesimsstücke,wurden häufig antiken Gebäuden entnommen und zu Basiliken-Bauten verwendet. Die Verdrängung undErsetzung des Architravs durch den Rundbogen, worin (außer der Weglassung der Emporgallerieen) die bedeu-tendste Abweichung von der altrömischen Basilike bestand, drang erst in einer spätern Periode völlig durch,wenn dieselbe auch im constantinischen Zeitalter, wie man bisher angenommen hat, angewendet wurde.Soviel steht jedenfalls fest, daß der Architrav nicht nur in constantinischen, sondern selbst noch in Basilikeneiner weit spätern Periode beibehalten wurde, wie nachher gezeigt werden wird. Der nächste Fortschritt in derWeiterentwicklung der Architektur bestand allerdings in der allgemeinen Einführung des Rundbogens stattdes Architravs; auch wurde diese Veränderung durch den christlichen Basilikenstyl herbeigeführt, wenn schon,wie ich oben erwähnte, der Rundbogen bereits in der antik-römischen Architektur (nur nicht bei der Verbindungder Säulen in den Basiliken) eingeführt worden war. Man hat bisher die verschiedenen Perioden im Basiliken-style nicht strenge genug von einander geschieden; denn daß derselbe, wie man noch neuerlich angenommen hat,vom altchristlichen Zeitalter bis in jenes Carls des Großen ohne wesentliche Veränderung fortgedauert habe*),ist deßhalb nicht der Fall, weil Basiliken mit byzantinischen Elementen, sowie mit abweichender Gestaltungdes Querraumes vor der Tribunal-Nische zwischen beiden Perioden in Mitte liegen. Zuerst muß die verschiedeneGestaltung des Grundrisses (besonders hinsichtlich des eben erwähnten Querraums) in's Auge gefaßt werden,sodann der Umstand, ob die Säulen des Innern durch den Architrav oder Rundbogen verbunden sind, undendlich die Beschaffenheit der Bedeckung, ob dieselbe in der flachen Holzdecke, dem sichtbaren Sparrenwerk desDaches, oder in Wölbungen besteht. Was die Grundrißgestaltung betrifft, so sind in den Figuren 28 bis 31die verschiedenen Hauptformen der alten Basiliken in verkleinerten Fragmenten (jedoch hinsichtlich des Quer-raums und der Tribunal-Nische vollständig) gegeben. Die Figur 28 zeigt die ursprüngliche Grundform deraltrömischen sessorianischen Basilike, welche in ihrem Querraume vor dem Tribunale bereis eine Art vonKreuzschiff enthält. Diese Form wurde für den Grundriß der Basiliken in der altchristlichen Periode beibehalten.So bei der Basilika S. Grisogono (305), aus deren 741 und zum zweitenmale 1125 bis 1128 vorgenommenenRestaurationen sich die, nicht ursprünglichen, kleinen viereckigen Anbauten zu beiden Seiten der Tribunal-Nische erklären. Gleiches ist der Fall bei der Basilike S. Maria in Trastevere aus dem fünften Jahrhundert,bei welcher ähnliche, viereckige Anbauten der Restauration von 1139 angehören. Die nämliche Grundrißformhinsichtlich des Querraums vor der Tribunal-Nische hat die Basilike S. Pancrazio aus dem fünften Jahr-hundert (wenn schon deren Querschiff in drei Räume abgetheilt wurde). Auch bei der Basilike S. Sabina (425),deren schöne weißmarmorne, cannelirte korinthische Säulen vom Diana- oder Juno-Tempel herrühren sollen,muß man annehmen, daß der in Rede stehende Querraum ursprünglich vorhanden war, indem die Säulen (vgl.IlWeri partie II du Supplement pi. XI) nur bis an die Stelle gehen, wo der Querraum beginnt, unddie, in den Querraum gestellten, Scheidewände gleich dem kleineren halbzirkelförmigen Ausbaue neben dergroßen Tribunal-Nische offenbar späterer Restauration angehören. Ferner ist der Grundriß der, zwar imJahre 790 wieder erbauten, Basilike S. Giovanni a porta latina offenbar vom ursprünglichen Plane beibe-halten, indem er hinsichtlich des Querschiffs mit der sessorianischen Basilike völlig übereinstimmt. Auch dieBasilike S. Pietro in Vincoli (442) enthält noch das Querschiff, obschon man dasselbe bei der Restaurationim achten Jahrhundert in drei Gewölbe abtheilte, und der großen Tribune noch kleinere hinzufügte. Bei derBasilika S. Maria Maggiore (352 und wiedererbaut 432) wurde das ursprüngliche Querschiff gleichfalls erstbei der spätern Modernisirung in drei gesonderte Räume abgetheilt. Nach diesen Beispielen muß man annehmen,daß die «»christlichen dreischiffigen Basiliken vorzugsweise nach dem Muster des sessorianischen Grundrissesgebaut wurden. Diese Grundrißform erhielt aber eine weitere Ausbildung dadurch, daß man nach demBeispiele der altrömischen Basiliken Ulpia und Aemilia (vergl. Figur 30) auch fünfschiffige Basiliken errichtete,jedoch mit Beibehaltung einer kleinen, die Breite des mittleren Schiffes nicht übersteigenden Tribunal-Nische,

*) Die Basiliken des christlichen Roms nach ihrem Zusammenhange mit Idee und Geschichte der Kirchenbaukunst, dargestellt von vr. Bunsen, München 1811, S. 42.