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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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26
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Pfahlwerk eingeschlossen. Jede Abtheilung hat ihren besonderen Aufseher, der während derBadezeit den ganzen Tag dort zu verweilen hat. Jeder Badende, der Vormittags badet, hateine kleine Gebühr zu entrichten.

Bank, Dägcrlen, siehe Feuersbrünste (1824).

Bäretschweil

ist eine der größten Gemeinden des Kantons. Sie zählte

Anno 1764 . 2242 Seelen.

- 1836 . 3462 -

Rechnet man die Abwesenden binzu, so steigt die Anzahl auf circa 5000 Seelen.

Anno 1823 erbaute die Schulgemeinde Bettschweil ein Schulhaus ohne Lehrerwohnung,welches am 18. Jenner 1824 eingeweiht wurde. Nachdem die bisherige Kirche, die mitInbegriff der Emporkirche bloß 3300 Quadratfuß Raum einnahm, als unzulänglich befundenworden, wurde am 26. Juni 1825 auf Antrag des Stillstands und Gemeindraths von derKirchgemeinde beschlossen, eine neue Kirche zu erbauen, und daher sogleich eine Bau-Com-mission gewählt, deren Präsidium und Aktnariat der jetzt noch lebende Hr. Pfarrer und DekanI. R. Waser übernahm. Es ward eine frcywillige Steuer bezogen, die 1300 fl. ertrug.

Am 2l. August begannen die Frohnarbeiten, um die Baumaterialien zum Theil aus beträchtli-cher Entfernung herbey zu schaffen. Als Baumeister wurde Gottbard Gcißenhofer von Pfronten »n Baierschen, ein geschickter Stukaturer, angestellt. Am Ostermontag 1826 ward zum letztenMal in der alten Kirche Gottesdienst gehalten, von da an öfters im Freyen, meistens aberund besonders im Winter in der auf dem Bauplatz stehenden Hütte. Nun begann die Dcmo-lirung des alten Kirchengebäudes. Mit dem Monas May wurden die Arbeiten an der neue»Kirche wieder aufgenommen und ohne Unterbrechung bis zur Vollendung fortgesetzt. Am

30. September 1827 wurde die Kirche, deren schönes Gelingen hauptsächlich der Leitungdes Pfarrers zuzuschreiben ist, eingeweiht. Diesen feyerlichen Actus eröffnete derselbe miteiner nachher im Druck erschienenen Predigt über Psalm 26, V. 8. Ein zahlreicher Sänger-chor sang zwey auf diesen Anlaß durch Nägeli besonders componirte Lieder nebst einigen Ebor-liedern. Die größte der neuen Glocken ward bey diesem Anlaß zum ersten Male geläutet(die übrigen hingegen erst am Bättag 1830). Die Grundfläche der neuen Kirche bildet einlänglichtes Viereck von 63 Fuß Breite und 107 Fuß Länge, mit einer sogenannten Vorhalle.Die Höhe der Kirche vom Boden bis zur Decke beträgt 36 Fuß. Sie bat 17 Fenster, jedes23 Fuß hoch und 41/4 Fuß breit. Auf drey Seiten sind Männer-Gallerten angebracht; dievierte Seite, der Vorhalle gegenüber, nimmt die Kanzel ein. Unter mehr als 1600 Plätzenist nicht einer, von dem aus nicht der Taufstein, als Mittelpunkt der Kirche, so wie die

Kanzel sichtbar wäre. Der reine Kostenbetrag dieses Baues als baare Geldauslage beträgt

24,482 fl. 15 ß. 9 hlr. Die Reparatur des Tburmcs, die Erweiterung des Kirchhofs unddie 5 Glocken, welche von Rosenlächer in Konstanz gegossen wurden, 6654 Pfund wiegen undein rein harmonisches Geläute ausmachen, kosteten 2630 fl. 18 ß. Es wurden 732 Frokn-fuhren und 18,958 </z Frohntage geleistet. Ueber die ganze Baute gibt Hr. Dekan Waser ineiner besondern Druckschrift in historischer und technischer Beziehung interessante Notizen.