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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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wurde aber die Gantstube in ein Privathaus verlegt und der betreffende Raum, nachdemeinige Bauten vorgenommen worden, größtentheils der Stadtbibliothek (siehe diesen Artikel) ein-verleibt. Das Erdgeschoß auf der Seite gegen das Kaufhaus wird bis jetzt noch von diesemletzter« benutzt; in der Halle des Hclmhauses wird am Freytag wie früher, so jetzt noch, Reisten-,Garn- und Lcinwandmarkt gehalten.

Herrggart.

Diese Kirchgemeinde, eine der kleinsten des Eantons, scheint an Bevölkerung eher ab- alszugenommen zu haben, denn sie zählte:

im I. 1733 .... 300 Seelen.

1836 aber nur . . 279

Am 22. Hornung 1818 beschloß die Gemeinde, an der Stelle der alten baufälligen Kircheeine neue zu erbauen. Im folgenden Jahr wurden die hiczn erforderlichen Vorkehrungen ge-troffen, am 3. April 1820 in der alten Kirche zum letzten Mal Gottesdienst gehalten, den5. und 6. April solche dann abgetragen und schon den 14. April der erste Grundstein zu demneuen Bau gelegt, welcher unter den günstigsten Umständen, ohne Hinderniß und ohne irgendeinen Unfall, so rasch vorwärts ging, daß das Gcbändc den 6., 7. n. 8. Heumonat schon auf-gerichtet werden konnte. Nach Vollendung des Ausrichtens hielt der Pfarrer eine fcyerlicheRede und bey diesem Anlaß wurde für die bey Aufrichtung der neuen Kirche in Goßau Ver-unglückten eine Steuer gesammelt. Am 1. Wintermonat 1820 wurde die Kirche sodann mitgroßer Fcycrlichkeit und in Beyseyn der Wintertburer Stadtmusik eingeweiht. Die Kirchesteht, wie der größere Theil des Dorfes, auf einem schönen Hügel; die Länge derselben beträgt58, die Breite 38, die Höhe 28 Fuß. Drey Thüren führen in das Innere, wo eine soge-nannte Schnecken-Treppe in den Thurm hinauf leitet. Die Emporkirche auf der westlichenSeite hat Raum für wenigstens 100 Mann. Mit der Kirche steht ein vicreckigter Thurm inVerbindung, der mit einer rothbcmalten Kuppel bedeckt ist, über welche sich ein Knopf nebstWetterfahne erhebt, in dem eine Beschreibung des Kirchenbaues, verfaßt von Hrn. Pfr.Burkhard, aufbewahrt ist. In dem Thurm befindet sich eine Uhr mit 4 Zeittafeln und 2 kleineGlöcklein. Die Baute der Kirche und des Thurmes wurde von den Hrn. Baumeister Vol-kart von Niederglatt und Zimmermeister Boßbard von Wülflingeu ausgeführt und kostete imGanzen 8717 fl. 28 ß. 6 hlr., an welche Summe der Staat einen Beytrag von 1250 fl. lei-stete. Die Baute scheint nicht ganz mit der erforderlichen Solidität ausgeführt worden zuseyn, denn schon im I. 1823 fand man, daß der Schwamm sich bereits im ganzen Schiff derKirche verbreitet und sogar die Hauptmauer stark angegriffen habe, weßhalb mit bedeutendenVeränderungen und Kosten dem Uebel gesteuert werden mußte.

Die Pfrundguter, bestehend in circa 3 Vierl. Baumgarten und 3 Vierl. Reben, wurdennebst der großen Scheune, die zugleich früher als Zchntcnscheune gedient hatte, im I. 1833um 1500 fl. verkauft.

In den Jahren 1837 und 1838 wurde die, in einer Länge von >850 Fuß durch den