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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Hinweil

ist eine der größer» Gemeinden des Landes, da z» derselben, außer Hinweil, die Dörfer Bos-sikon, Ehrlosen, Hadlikon, Ringweil, Wernetshanscn nnd ein Theil von Unterbach gehören.Die schöne Kirche wurde iu dcu I. 1785 und 1786 mit einem Kostenaufwand von ungefähr27,000 fl. neu erbaut und am 23. Hcrbstmonat des letztbenaunten Jahres eingeweiht. ImI. 1827 wurden die drey alten Glocken, von denen die größte einen Riß bekommen hatte, vonRosenlacher in Konstanz umgegossen; diese geben nun in Verbindung mit der vierten Glockeein harmonisches Geläute, welches am 5. August 1827 zum ersten Mal ertönte. SämmtlicheGlocken wiegen 60 Eentncr. Die erste Glocke fuhrt die Inschrift:Bruder, Ehristen, kommt zu-sammen! Kommt, verherrlicht Gottes Namen!" Die zweyte:Früh und spät ruf ich euch:Christen, sucht das Himmelreich!" Die dritte:Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit!" Dievierte:Ehre sey Gott in der Höhe, jetzt und immerdar." Die Umgießungskosten betrugen3000 fl., welche durch frcywillige Beyträge nnd eine Vermögenssteuer gedeckt worden sind. Inden Jahren 1822 und 1827 wurden am Pfarrbans Reparaturen ausgeführt, die zusammenetwa 1700 fl. kosteten. Ao. 1836 wurde das Manerwcrk des Kircbtbnrmes durch Maurer-meister Hasler wieder hergestellt und statt der einzigen alten Zeittafel 4 neue, in Windbergcnerhobene, angebracht, welche Baute 2300 fl. kostete, woran das Kircbengnt 1000 fl. leistete,das klebrige aber durch Vermögenssteuer gedeckt ward. In dem bemeldten Jahre >827 er-baute die Schulgemcinde Bossikon ei» neues SckmlhäuSchen, an dessen Kosten der Sraat 75 fl.beytrug. Die Schulgemcinde Hadlikon erbaute in den Jahren 1828 und 1829, nachdemsie sich von Hinweil getrennt hatte, ein neues Schulkaus mit Lehrerwohnung, welches zu Mar-tini 1829 eingeweiht wurde. Dasselbe kostete 2500 fl., an welche der Staat einen Beytragvon 150 fl. leistete. Sehr wichtig war für die Gemeinde Hinweil das Jahr 1831, indem am20. Brachmonat vom Großen Rath mit Stimmenmehrbeit Hinweil, entgegen dem Antrag aufDürnten, zum Hauptorr des fünften Bezirks des Cantons bezeichnet wurde. 9 Privaten unter-nahmen es, ein Gebäude für die Bezirkslokalitäten zu erbauen; der dießfällige Plan wurde imWintermonat 1831 genehmigt und durch Rathsbcschluß vom 17. Christmonat 1832 das Ge-bäude anerkannt. Dieses Gebäude befindet sich auf einem offenen freyen Platze, südwestlich vomDorf, hat 48 Fuß Lange und 40 Fuß Breite, und enthält zwey Stockwerke nebst Dachboden.Auf dem ersten Stockwerk befindet sich eine Wohnung für den Abwart, auf dem zweyten dieBezirkslokalitäten, nämlich ein Zimmer für das Bezirksgericht, ein solches für die Kanzley, einBezirksrathszinnner und ein Ausstandszimmer. Es sind in dem Gebäude 8 Gefangenschaften,wovon 4 heizbar. Die Baute kostete 1213,000 fl.

Am 29. Henmonat 1831, Abends zwischen 6 und 7 Uhr entleerte sich über die Gegend vonHinweil ein so starker Gewitterregen, daß alle, auch die kleinsten Bäche mit Gewalt ausbrachen undBerg und Thal von Ueberschwemmungen litten. Im Unterdorf ergoß sich das Wasser über dieganze Fläche bis zum Bühl und Wald; die Stützmauern des Wildbaches waren an verschiedenenOrten zusammengestürzt, Stuben und Keller in manchen Häusern mit Wasser angefüllt, einehalbe Scheune wurde mit einem darin befindlichen Mann fortgerissen, der eine halbe Stundespäter im Feld außer dem Dorf liegend gefunden wurde, sich aber nach und nach mit ärztlicher