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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Laternen, siehe Beleuchtung der Stadt.Lattenberg, siehe Stäfa .

Laufen

Diese Kirchgemeinde, welche die Dörfer Dachsen , Flurlingen und Uhwicsen, den WeilerNot, der jenseits des Rheines abgeschnitten von den übrigen Gemeinden liegt, so daß die Ein-wohner nur zu Schiffe dahin gelangen können, Kinder, die getauft werden sollen und Leichenebenfalls über den Rhein gefahren werden müffcn, »nd einige Höfe umfaßt, zählte in der Mittedes vorigen Jahrhunderts 1200 Seelen, gegenwärtig 1500. Die Pfarrkirche steht in Laufen,wo sich einzig das Schloß, das Pfarrhaus und das Mesmerhaus befinden. Die drey benann-ten Dörfer sind als Filialen von Laufen zu betrachten.

Das Schloß Laufen, von altcrthümlicher Bauart, stebt am Rand eines mächtigen Felsens,an dessen Fuß der berühmte Rheinfall sich befindet, von welchem schon in den frühern Zeiten,hauptsächlich aber in den neuern, eine Menge Ansichten und Beschreibungen erschienensind. Bis 1798 war dasselbe der Sitz eines Obervogts, nach der Revolution wurde sol-ches aber vom Staat verpachtet. Zu der Pacht gehörten bis 1822, außer den Schloßgebäuden,88 Juch. Ackerfeld und 8 Juch. Reben, und der Pachtzins betrug 20 Mütt Kernen und 664 fl.an Geld. Im I. 1822 wurde aber der größere Theil der Schloßgüter an 79 Käufer um dieSumme von 21,721 fl. verkauft und von da an bestand die Pacht außer den Schloßgcbändenund dem Gartenland nur noch in 14 Juch. Wieswachs, 22 Juch. Ackerfeld und 3 Juch. Reben,und es betrug der Pachtzins 10 Mütt Kernen und 280 fl. an Geld. Laut dem Pachtvertraghatte der Staat sämmtliche Gebäude, namentlich aber auch die sogenannte Fischenzen oder dieBrücke am Rheinfall, von welcher aus der letztere in unmittelbarer Nähe betrachtet werdenkann, zu unterhalten. 66 wurden im I. 1828 behufs bequemerer und genußreicherer Besich-tigung des Rheinfalls an dem Abhang gegen denselben verschiedene neue Anlagen ausgeführt.Nach der Staatsumwälzung im I. 1830 wurde von den Finauzbehörden in Berathung gezogen,ob man das Schloß verkaufen wolle oder nicht, beschlossen, dasselbe auf 6 Jahre zu ver-pachten und über die Pacht eine Versteigerung eintreten zu lassen, bey welcher Hr. Hanptm.I. L. Bleuler, Kunstmaler von Feuerthaleu, Meistbieter blieb und die Pacht erhielt. Es legteder Pächter im I. 1833 in seinen Kosten in einem Nebengebäude des Schlosses ein Kunst-magazin an und traf überhaupt mancherley Verbesserungen. Nach Ablauf der Pachtzeit wurdezwar dieselbe für ein Jahr erneuert; es trat aber die Frage wegen dem Verkauf der Domaineneuerdings hervor. Im Weinmonat 1839 ward indeß abermals beschlossen, dieselbe nicht zuverkaufen, sondern an den nämlichen Pächter wieder und zwar auf 20 Jahre zu verpachten,wogegen derselbe nun in seinen ausschließlichen Kosten alle und jede Reparaturen, sowohl an denGebäuden, als auch den Unterhalt der Brücke am Rheinfall zu besorgen hat. Der Pächter darf fürAufsicht und Unterhaltung der Anlagen und der Brücke, sowie für die Begleitung der Fremdenan den Rheinfall ein bestimmtes Eintrittsgeld fordern. Schweizerbürgcr bezahlen keine Taxe,doch ist die Annahme eines freywilligen Trinkgeldes dem Pächter gestattet. Hr. Bleuler hatim I. 1840 in seinen Kosten bedeutende Bauten an den Sehloßgebäudcn vorgenommen, einenneuen Zugang zum Rheinfall eröffnet und sämmtliche Anlagen verschönert.