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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Am 9. Heumonat wurde der Schlußstein zu den Gewölben unter dem Kornhaus gelegt,wobey die Arbeiter (3234) einen Trunk erhielten. Am 6. August beschloß der kaufmännischeAusschuß, es sollen bey dem Fundamente der Joche statt Wafserstuben Senkkästen in Anwen-dung gebracht werden. Am 22. Herbstmonat ward das Gewölbe bey der Meise geschlossenund dabey den Arbeitern ein gleicher Trunk verabreicht, am 25. April 1837 beschlossen, dieGesimse der Brücke sollen statt aus Marmor von Granit erbaut werden. Im Heumonatwurden die Gerüste für die Brücke aufgestellt und es mußten sich die kleinern Schiffe bequemen,so lange dieses dauerte, sich des Durchpasses unter dem Kornhaus-Canal zu bedienen. Esschritten die Arbeiten an der Brücke so vorwärts, daß am 17. Jenner 1838 der Schlußsteinzu derselben eingesetzt werden konnte. Die Arbeiter errichteten auf der Brücke einen mit Bän-dern und Schnupftüchern versehenen Baum und erhielten ein Aufrichtmabl zu 24 Btzn. perMann. Einige Tage nachher wurden die Biegen der Brücke losgelassen; am 27. März dasModell zu dem Seitcngeländer genehmigt und beschlossen, es solle dasselbe zu Zizenhausen imBadischcn gegossen werden. Am 17. May bewilligte der kaufmännische Ausschuß, um derBrücke ein geschichtliches Gepräge zu geben, daß nebst der Jahrzahl des Baues die Devisenoder Embleme der Zürcherischcn Kaufmannschaft, in Gußeisen bronzirt, am Mittelpfeiler derbeyden Seiten, an den übrigen Pfeilern dagegen Löwenköpfe mit einem Ring im Maul ange-bracht werden. Am 5. Brachmonat wurde beschlossen, doppelte Fahrspuren von Granit aufder ganzen Länge der Brücke anzubringen. Am 9. August wurde die Brücke mit dem NamenMünsterbrücke getauft.

Am 20. August, bey dem herrlichsten Wetter, fand das Fest der Einweihung Statt. Etwasvor 11 Uhr Vormittags hatten sich die Mitglieder des Rcgierungsrathes und des Stadtrathes, dieVorsteher der Kaufmannschaft nebst den eingeladenen Ehrengästen, ungefähr 80 Personen, imSaal des Großen Rathes besammclt. Genau um 11 Uhr gaben drey Kanonenschüsse dasZeichen zum Ausbruch und unter Glockengeläute begab sich der Zug in dreyfacher Reihe, dieAmtsweibel in schwarzer Kleidung mit Schilden hinter den Behörden hergehend, über den neuenQuai bis an den Eingang der Brücke vor dem Helmhaus. Hier trat der Ober-Ingenieur, Hr.Negrclli, mit den Baumeistern der Brücke, dem Stadtbaumeister und dem gesammtcn Bau-Corpsdem Zug einige Schritte entgegen und erklärte dem Präsidenten des kaufmännischen Ausschusses,daß das ihm in Auftrag gegebene Werk vollendet sey, daß er es den Baumeistern abgenommenhabe und nunmehr seinen Comittcntcn zu übergeben wünsche. Sofort ließ der Präsident desAusschusses, Hr. Martin Escher , den Bericht des Ober-Ingenieurs über die Führung des Bauesund seine Vollendung verlesen. Sodann richtete derselbe eine Anrede an die anwesendenBehörden und den Ober-Ingenieur. Dann bestieg Hr. Stadtpräsident Ziegler die Bühne, ließden Expertenbericht bezüglich auf Untersuchung des Baues verlesen und erklärte in einer Rede,während deren er dem Hrn. Negrelli eine goldene Medaille überreichte, daß der Stadtrathdie Brücke und den Quai als schöne, solide und nützliche, dem allgemeinen Verkehr unentbehr-liche Bauten mit voller Beruhigung und mit wahrer Freude zu Handen der Stadt übernehme.(Jene Medaille ist von Hrn. Friedrich Aberli, Sohn, bearbeitet und in Genf ausgeprägt wor-den, und zeigt auf der einen Seite zwey von den schlanken Bogen der Münsterbrückc; imVordergrund sitzt eine weibliche Figur mit der Maurerkrone auf dem Haupt, mit dem linken