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erhalten, daß die Höhe der Brückenöffnungen in keinem Fall geringer seyn soll, als diejenigebey der Durchfahrt zwischen der ersten Ocffnung gegen dem Helmhaus unter der jetzigen obernBrücke. — Sodann wurden die von Hrn. Ncgrelli verfertigten Brückenpläne auf Anordnungder Kaufmannschaft von den Hrn. Sauerbeck, Großhcrzoglich Badischem Baurath, und Donegani,erstem Ingenieur des Lombardisch-Venctianischen Königreichs, als Erperten, geprüft. Da solchemit diesen Plänen nicht ganz einverstanden waren und sich bewogen fanden, eigene Projekte ein-zugeben, so wurde zu Prüfung derselben eine neue Erperten-Commission, bestehend aus denHrn. Oberst Pestalozzi und Bau-Inspektor Stadler ernannt, und da diese sich aussprach, daßdas Projekt von Hrn. Negrelli vor den beyden andern den Vorzug verdiene, so beschloß diekaufmännische Vorstehcrschaft am 14. Heumonat 1835, die Brücke soll nach dem Plane vonNegrelli erbaut, bey der Ausführung aber diejenigen Bemerknngen der Erperten, die sich anfdie Konstruktion im Allgemeinen beziehen, berücksichtigt werden. — Bereits am 25. August wurdevon dem kaufmännischen Ausschuß für den Bau der Brücke freye Concurrenz auf dem Wegedes Accords eröffnet, am 1. Herbstmonat die Baubcschreibung ratifizirt und am 10. Weinmonatder Bau an die Hrn. Maurermeister Conrad Stadler, Locher und Staub um die Summe von91,000 st. übertragen. Sogleich begannen die Arbeiten und wurden im Winter von 1835 auf1836 so rasch betrieben, daß schon am 22. Hornung 1836 die Grundsteinlegung Statt findenkonnte. Es wohnten dieser Feyerlichkeit Abgeordnete des Regierungsrathes und des Stadtrathes,eine Anzahl besonders eingeladener Personen, die Unternehmer, der Staats-Bauinspektor, derStadtbaumeister, die Angestellten der Kaufmannschaft und die Vorsteherschaft der letztcrn, sämmt-lich in schwarzer Kleidung bey. Man besammelte sich auf der Meise, dort wurde zuerst dasProtokoll unterzeichnet und hierauf zog man auf die Baustelle, wo die Eingeladenen von demOber-Ingenieur und den Bauunternehmern empfangen, von dem Präsidenten der Kaufmannschaftbewillkommn wurden. Sodann verlas der Aktuar der letztcrn die Urkunde über den Brückenbauund überreichte dem ersten Abgeordneten des Regierungsrathes, Hrn. Bürgermeister Hirzel, fol-gende Gegenstände: 11 ein gedrucktes Eremplar der Staats- und der Stadtverfassung; 2) einekurze historische Uebersicht über den Brückenbau, auf Pergament; 3) ein Eremplar des Brücken-plans; 4) die Angabe der Accordsumme, die Preise des Baumaterials und Arbeitslohnes;5) Eremplare der jetzigen gangbaren Zürcherischen Münzsorten; 6) Muster der wichtigstenIndustrie-Erzeugnisse des Cantons ; 7) Muster der vorzüglichsten Landes-Produkte, in besondernkleinen Blech-Kapseln; 8) das Protokoll über die Feyer der Grundsteinlegung.
Alles wurde in eine Schachtel gelegt, diese in eine zweyte bleyerne Schachtel eingelassen,solche, nachdem sie verlöthet worden, von dem Ober-Ingenieur in die im Grundstein ausge-hauene Vertiefung versenkt, diese mit Cement-Kalk vergossen, und durch einen steinernen Deckelsorgfältig verschlossen. Sodann überreichte der Ober-Ingenieur den Tbeilnehmern an derFeyerlichkeit der Reihe nach Maurerkelle und Hammer, womit jeder drey Streiche auf densteinernen Deckel führte. Zuletzt wurde der Grundstein mit einem zweyten Quaderstück über-deckt. Der Zug kehrte in gleicher Ordnung, wie er gekommen, nach der Meise zurück, wo einMittagsmahl, zu 2 j /2 fl. für die Person, die Feyer beschloß. Jeder Arbeiter erhielt eineMaß Wein und für 15 ß. Speise.