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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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untere Theil des Zürichsces wieder offen; am Morgen des 18. sah man auf dem Greifensee wieder seit eilf Wochen zum ersten Mal freyes Wasser. Endlich kam am 21. ein kräftigerSüdwind und drückte den Eisspiegel, mit dem der obere Theil des Zürichsees bis unterhalbMeilen noch belegt war, mit Macht in die Tiefe. Zu bemerken ist noch, daß bey dem äußerstverminderten Wasscrstand der Limmat in der Mitte Hornungs zwischen Dietikon und Oetweilnahe an 25 uralte Eichstämme auf dem Grunde zum Vorschein kamen, von denen drey heraus-gcboben und zu brauchbaren Brettern zersägt wurden. Die letzten 11 Tage im März hattenmilde Frühlingswitterung und brachten die Zahl der völlig schönen Märztage dieses Jahresauf 22. Der April war dagegen vom 1. bis zum 26. regnerisch und windig mit wenigenangenehmen Tagen untermischt. Am 4. Mittags um halb 12 Uhr verspürte man zu Eglisau eineErdcrschütternng, die so heftig war, wie seit langem keine gewesen. Am 10. veranlaßte einSturm das Untersinken des Kernen- und Marktschiffcs von Rapperschwcil, zunächst der Heimath.Nach dem Rieselschnee am 14. zeigte sich am folgenden Morgen ein Reif, der indeß der zurück-gebliebenen Vegetation noch nichts anhaben konnte. Am 18. ereigneten sich zwey Gewitter mitvielem Regen begleitet, der sich an den beyden folgenden Tagen reichlich wiederholte. Der Sturmam Abend des 20. war so heftig, daß er Kamine Herunterwarf, Fenster zertrümmerte, auf demPlatz einen Baum entwurzelte, und mit einem andern ein Dach bis auf die Mauer eindrückte;er hielt in gleicher Stärke an von Abends 9 bis Morgens um 2 Uhr. Vom 27. April biszum 7. May war der Himmel fast immer heiter. Nach drey folgenden Regentagen wurden inder Nacht auf den 11. die Bewohner Eglisaus wieder durch eine sehr starke Crderschütterungaufgeschreckt, bey der alle Häuser schwankten. Auf ein Paar schöne und etliche Regentagefolgte nun die überaus heiße Woche vom 17. bis zum 24., in welcher das Thermometer inZürich bis auf 27 Grade stieg. Allein das Gewitter am 22, und noch weit mehr dasjenigeam Abend des 24. kühlten die Luft dermaßen ab, daß nun kaltwindige Regentage, unter denender 26. durch einen Sturm, der 29. durch kleine Schlossen sich hervorthaten, den Monat be-schließen mußten. Im Brachmonat waren Anfangs wieder etliche schöne Tage. Aber balderöffnete das Gewitter am 6., dem ein noch weit heftigeres in der Nacht vom 8. auf den 9.folgte, eine Reihe von zehn Tagen, in denen der Himmel immer dicht mit Wolken behängenwar, und zum öftern Regen in Strömen herab fiel. Am 17. zeigte sich ein Reif, der durch einenwenig Gutes verkündenden Nebel aufgelöst wurde, und bis zum 20. Heumonat war nun das nasseund neben dem Regen auch mit Donner begleitete Wetter vorherrschend. Viel Wasser fiel inden Tagen der Sonnenwende, 21 bis 23, vom 29. Brachmonat bis zum 3. Hcumonat warentäglich Gewitter, unter denen das am 30. Brachmonat bey Aeugst einen Birnbaum, der 2 Fußim Durchmesser hatte, bis auf die Wurzel in Stücke und Splitter zerriß. Schon am 7. Heu-monat kam wieder eines, und zog drey Regentage nach sich; ein anderes trat zwischen denRegen des 12. Heumonats ein, am 16. folgten von Mitte des Tages bis in die Nacht drey Ge-witter, gleichzeitig mit dem Wolkenbruch, der einen Theil der Landschaft Basel in sehr großenSchaden versetzte; am 19. regnete es ungewöhnlich heftig über Wald und Fischenthal und dashohe Wasser der Sihl stürzte so übermächtig in die Limmat hinein, daß ein zum Waschenbestimmtes Schiff bey Wipkingen losgerissen und weiter unten dann zertrümmert wurde. Auchdie Reuß hatte einen gar hohen Stand. 66 folgte nun eine Reihe schöner Tage, vom 21.