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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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an welcher Ao. 1804 Häberli erschossen wurde, mit schwarzen Tüchern behängen. Hr. Dr. Hennevon St. Gallen trat unter andern auch als Redner auf. Man beschloß einen Aufruf an dasSchweizervolk bezüglich auf die Bundessache.

Den 5. Herbstmonat wurde die Tagsatzung geschlossen.

Am 25. Herbstmonat wurden die Theilncbmer an den tumultuarischen Auftritten in Stadelvon dem Criminalgericht zum Theil zur Gcfängnißstrafe verurtheilt.

Den 3. Wintermonal ging in allen Zünften des Cantons die Erneuerungswahl der einenHälfte des Großen Rathes vor sich.

1835 . Am 30. Brachmonat wurden vom Großen Rath zu Gesandten auf die Tag-satzung nach Bern gewählt, die Hrn. Bürgermeister Heß und Regicrungsrath Hegetschweilcr.

Am 22. November feyerte der politische Eantonalverein, wie voriges Jahr, zu Basserstorfdas Jahresfest des Tages von Uster , wobey beschlossen wurde, sich an den Nationalverein undseine Statuten anzuschließen.

Auf Mahnung des Vororts wurde wegen der Unruhen in den katholischen Theilen desCantons Aargau vom Regierungsrath am 24. Wintermonat das ganze erste Bundes-Contingentmit Ausnahme der Pontonniers und Pionniers aufgeboten, der zweyte Bundesauszug auf dasPiquet gestellt und es rückte die Mannschaft noch am nämlichen Tage ein. Den 25. mar-schirten unter dem Oberbefehl des Hrn. Oberst Hirzel und in Begleitung des Hrn. Bürger-meister Hirzel, als Commiffär, 3 Bataillone, nebst Artillerie in das Knonaueramt ab, woselbstdie'Landwehr ebenfalls aufgeboten war. Es wurden die Grenzgegenden an der Reuß und bisDietikon hinab besetzt. Das vierte Bataillon blieb in der Stadt und wurde einquartirt.Am 1. Ehristmonat kehrten die Truppen wieder zurück und wurden am 2. entlassen. Hr. Bürger-meister Heß war nebst einem andern Mitglied vom Vorort als Repräsentant bezeichnet wordenund nach Aarau abgegangen.

Am 14. Christmonat erklärte der Große Rath bezüglich auf die Beschlüsse der Badener-Conferenz wegen Regulirung der katholisch-kirchlichen Angelegenheiten seinen Beytritt, behieltsich jedoch vor, hinsichtlich des Klosters Rhema» diejenigen gesetzlichen Anordnungen zu treffen,welche den Umständen angemessen erachtet werden und für die Beytragsleistungen zu einemMetropolitan-Verband den Bestand der katholischen Einwohnerschaft des Cantons ausschließlichzum Maßstab anzunehmen.

1836 . In der Sitzung des Großen Rathes vom 28. Brachmonat wurden zu Gesandtenauf die Tagsatzung nach Bern gewählt, die Hrn. Obergerichts-Präsident Dr. Keller und Regie-rungsrath Hegetschweilcr.

Nach der Mitte des August wurde aus Veranlassung der Verhandlungen der Tagsatzungwegen der vom Ausland geforderten Entfernung von Flüchtlingen von einer Anzahl patriotischgesinnter Männer folgender Aufruf verbreitet:

Eidgenossen!

Die Ereignisse der jüngsten Zeit mußten alle Vaterlandsfreunde tief erschüttern, und jeden redlichge-sinnten Eidgenossen mußte es unendlich schmerzen, zu vernehmen, daß durch Versuche zu unbefugten Ein-mischungen in unsere innern Angelegenheiten die Ehre und Selbstständigkeit unsers Vaterlandes gefährdetwerde. In solchen Zeiten thut es Noth, daß das Volk seine Stimme ernst und besonnen erhebe, und seineGesinnungen ausspreche. Daher hat eine Anzahl vaterlandsliebender Männer beschlossen, eine Versammlung