525
„Eine Stadt, in welcher sich die geistigen und ökonomischen Kräfte vereinigen, dadurchwechselseitig steigern und unterstützen, ist als ein Central-Punkt der Civilisation für ein kleinesLand ein schätzenswerthes Glück; größer wird diese Bedeutung noch, wenn ein solcher Ort wieZürich durch seine ausgezeichnete Lage, am Ausfluß eines Sees, im Mittelpunkte von Handels-straßen, als Waarenniederlage für den lebhaften innern und äußern Verkehr, alle natürlichenElemente einer steigenden Industrie in sich faßt. In dieser Hinsicht kann jedes künstliche Hin-derniß der Ausbreitung und der Kommunikation nur schädlich wirken und ein solches Hindernißsind die Befestigungswcrke; sie erschweren durch wenige, unbequeme und enge Einfahrten denTransport aller Arten von Waaren und Lebensmitteln; sie erhöhen durch Mangel an nahenWohnungen und leichtem Unterkommen den Arbeitslohn; sie schrecken den Transit der Kauf-mannsgüter durch Theurung oder unzulänglichen Raum der Entrcpots ab; sie beschränken dieAnlage von Gewcrbsunternehmungen; sie verhindern, daß Zürick eine schöne, volkreiche, mitallen Hülfsmitteln der Größe und Bildung gezierte Stadt werde. Sie wecken endlich (wenn sienur von etwelchcr Bedeutung seyn sollten) die fortwährende Sorge, daß die Commercial-Stadtund ihre Umgebungen mit ihren gewcrbsfleißigen Einwohnern allen Schrecken einer Belagerungausgesetzt werde. Ein Land, wie das unscrige, dessen Flor wesentlich auf Handel und Fabri-kation beruht, darf nichts vernachläßigen, was diese beleben kann und Niemand wird mcbr beydieser Veränderung gewinnen, als Zürich selbst. Es ist eine eitle Furcht, zu glauben, daßPersonen und Eigenthum durch Abtragung der Schanzen in Gefahr gcriethen; die meisten undgrößten Hauptstädte Europas und beynahe alle Fabrik-Orte der Welt haben keine Befcstigungs-werke.
„III. 2n politischer Hinsicht. Welchen Einfluß wird die Verebnung der Fortifika-tionen auf die Entwickelung unsers konstitutionellen Lebens haben?'"
„So tief es auch in der menschlichen Natur begründet ist, daß sich die Völker in Zeitengroßer politischer Umwälzungen in Parteyen spalten, und eine jede, wir wollen es zur Ehreder Menschheit also voraussetzen, an ihren Sieg das Gedeihen der öffentlichen Wohlfahrt ge-knüpft glaubt, so wenig kann doch auf die Länge eine solche Stimmung dem wahren Zwecke derGesellschaft entsprechen. Verlängert, ja verewigt wird ein solcher Zustand der Dinge vor-züglich unter zwey Bedingungen; wenn Fragen, die gewisser Maßen zum Losungsworte desStreites geworden sind, unentschieden bleiben, bey jeder Berührung wieder auflodern und ihrenfeindseligen Einfluß auch auf andere fremdartige Gegenstände erstrecken; besonders ist dieß derFall, wenn sich solche Fragen in sinnlichen Wahrnehmungen gleichsam verkörpern und dem stetserneuerten Anblick darstellen. Ohne in eine nähere Würdigung der Gründe und Ansichten ein-zutreten, welche vom politischen Standpunkte aus dem einen die Abtragung, dem andern dieBeybehaltung der Schanzen als wünschenswerth erscheinen lassen, so ist doch so viel gewiß, daßin diesen todten Steinmassen Furcht und Hoffnung, Ahnungen und Erinnerungen leben, welcheauf die reine, höhere Ansicht des Staates dem gemeinschaftlichen, offenen Zusammenwirken allerStaatsbürger störend und verderblich einwirken, und wenn auch kurze Zeit schlummern, dochjeden Augenblick, ein Gespenst der Zwietracht, wieder erscheinen. Wenn sich diese finsternBollwerke gegen das Land Herabsenken und sich an ihrer Stelle freundliche Häuser und Gärten