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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Häupten erachtet wurden, so spielen dennoch merkwürdige Belagerungen in allen Zeiträumenunsrer Geschichte eine sehr untergeordnete Rolle, und wir finden im In- und Auslande unseretapfer» Krieger gewöhnlich vor, aber nicht hinter den Vcrschanzungen."

„Gingen auch die Treffen verloren, und wollte man den Widerstand in die Längeziehen; so hat uns die Natur mit ewigen Bollwerken, Gebirgen, Engpässen, Schluchten undunzugänglichen Reduits vcrseben, deren kraftvolle Vertheidigung leichter, einheimischer und demNational-Charakter angemeffcncr ist, als das Dcfensionalsystem einer Festung, das Niemandliebt und nur Wenige kennen, und wofür Zürichs Festungswerke noch lange nicht die erforder-liche Ausdehnung, bombenfeste Räume und dergleichen darbieten."

..Endlich ist das Schicksal der Schweiz bey einem allgemeinen Kriege enge in die größer»Verhältnisse der europäischen Politik verflochten. Ist das System des Gleichgewichtes durcheine alles überwältigende Macht zerstört, wie in der französischen Revolution und unter Napo-leon , so können in solchem Riesenstreite unsere schwachen Festungen so wenig helfen, als es diemächtigern niemals vermochten, weder Preußen, noch Oestreich, noch Frankreich zu beschützen.Bestellt aber das europäische Staatengleichgewicht noch, und ist der Krieg nur zwischen zweyeinzelnen Mächten, so können wir kein anderes System, als das einer bewaffneten Neutralitätbefolgen: wird diese verletzt, uns schlagen: werden wir besiegt, einen allgemeinen Landsturmergeben lassen, und jeden Fuß breit Landes so lange vertheidigen, bis die andern Mächte, welchedie Schweiz in keines andern Gewalt lassen dürfen, vermittelnd, drohend oder mit Hceresmachtuns zu Hülfe kommen. Diese Standhaftigkeit, dieser freylleitswürdige Widerstand, der uns dieAchtung und Bewunderung der europäischen Völker erwerben wird, liegt einzig im Vaterlands-gcfülllc der Eidgenossen, nicht in den Wällen Zürichs ."

„Unterliegt es nur sehr geringem Zweifel, daß Zürich , als Festung betrachtet, für dieEidgenossenschaft von keinem Belang ist, so zeigt sich dasselbe Resultat noch viel klarer bey derFrage: Ob der Canton derselben zu seiner innern Sicherheit bedürfe. Mag es auch in denTagen des Faustrcchtes nothwendig gewesen seyn, sich und seine Habe hinter Mauern zu flüchten,oder konnte man es auch später für ratllsam halten, die Stadt gegen glaubensfeindliche Nach-bar-Cantone zu befestigen, so fallen doch bey veränderten Umständen alle jene Gründe weg,welche aus der Nothwendigkeit der innern Sicherheit hergenommen sind. Der Sitz der oberstenLandesbehorden, der Caffen, Archive, Sammlungen, Zeughäuser und Kriegsvorräthe stehen unterder Aegide der Gesetze und werden durch eine fast mit Einmutll beschworene, der Verbesserungfreygcstclltc, Verfassung, durch den ganzen Staats-Organismus und im Nothfalle durch die be-waffnete Macht und den guten Geist der Bürger geschirmt. Vor einem plötzlichen Ueberfall imKriege durcll eine Streifpartey, im Frieden durch eine aufrührerische Rotte schützt entwedereine mäßige Besatzung oder die zahlreiche, zusammengedrängte Bevölkerung selbst; sollte jedochdie große Mehrheit der Eantons-Einwollner, vornämlich ikr Kern, die »ermöglichen und auf-geklärten Bürger, die Regierung, oder diese sich selbst verlassen, so ist sie zum Untergänge reif,und es vermag sie kein Wall und keine Batterie zu retten."

„H In merkantili scher Hinsicht entsteht die Frage: Ob es im Interesse desVerkehrs und des National-Wohlstandes überhaupt liege, die Befestigungswerke Zürichs abzu-tragen?"