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„und besonder zird der bögen darein lauffen, wie sich dann das begibt das etwan eyn stab in eyn holkelen,„und eyn widerwerdigs durch das ander schleust, wer dem recht thut, ficht es frembd und wercklich, wie das„die kunstreichen bawleut wol wissen, in solche Pfeiler mag auch mancherley verkerung der holkelen stebe und„fasen ecke und winckel gebraucht werden. Aber dise ding müssen im gründ ordentlich auffgerissen und dar-„nach aufgezogen werden." Sehr originell ist Dürer's Gedanke, aus vier ganz verschieden conftruirten Schäftenein Gewölbe zu bilden; er sagt: „Es mügen vier Pfeiler gegen eynander gesetzt werden eyner größ, und eyn„ytlicher sein sunder zird im gründ haben, so die auffgezogen und auß der Pfeiler teyl eyn gewelb geschlossen„wirdt, ficht das gar wunderlich rc. rc." Dürer giebt auch (fast die einzige gothische Gestaltung, die sein Buchenthalt) einige Schäfte im Grundrisse von ganz ungewöhnlicher und theilweise sehr reicher Gliederung. EinWechsel solch reichgegliederter Schäfte und Gewölbe aber würde, auch schon der Kosten wegen, weit eher zur
^' 12 ! Ausführung eines Saales, als einer großen Kirche sich eignen. — Bei der in Figur 12 gegebenen Schaftbil-dung (von welcher schon oben die Rede war) ist das im Grundriß ud 12 enthaltene Maaß ud im Aufrißbei uft von n nach e getragen, wodurch die Steigung der hier angebrachten zusammengesetzten Wasserschlägebestimmt wird. Diese Schaftbildung ließe sich in folgender Art reicher, und gleichfalls für Säle passend, ent-wickeln. Die Wasserschläge wären mit Profil zu versehen (ähnlich, wie in Figur 14 geschehen); die mit ab be-zeichnete Linie brauchte nicht gleich den Gewölbeanfang zu bezeichnen, sondern die Gewölbegradlinien könnten erstnoch lothrecht so weit fortgeführt werden, bis aus den acht Gewölbeseiten acht Bierecke gebildet wären. Diese, mitMaaßwerk ausgefüllt, hätten die Stelle des Kapitäls zu vertreten, aus welchem die acht, zu prosilirenden, Gewöl-begräde hervorgehen würden. Der Schaft selbst könnte alsdann, des Contrastes wegen, ganz glatt gelassenwerden. Die Figuren 11 und 12 verhalten sich übrigens zu einander, wie die Figuren 10 und 13, indem auchbei Figur 11 der Schaft (wie bei Figur 12 nicht) über Eck gestellt ist, und beide (Figuren 11 und 12 ) sind dasGegentheil von einander, indem bei Figur 11 nur der Schaft und nicht das Gewölb, bei Figur 12 aber nur
14 . das Gewölb und nicht der Schaft über Eck stehen. — Die Construction des Schaftgesimses von Figur 14 (welchein der Hauptform einerlei mit Figur 12 ) ist in der Art einfach, daß die drei (auf der linken Seite) mitnlr, 166 und cd bezeichneten Haupttheile einander gleich und nach der Distanz genommen sind, welche die
» 6 i 4 . Entfernung der im Grundriß ud 14 —mit n c und d d bezeichneten Linien von einander giebt. Aus diesenLinien ist zugleich ersichtlich, wie die Tiefe der Gesimsgliederung geometrisch bestimmt wurde. Die Linie dkdeutet nämlich das Biereck an, aus welchem die achteckigen Anfänge des Gewölbs gebildet sind. Die Entfer-nung des Centrums x des Schaftes von d ist zur Distanz von x bis zur Linie e a genommen, welche dieGesimsausladung bildet. Da diese Ausladung sich jedoch im Aufriß (linke Seite) als sehr stark zeigt, so ist esbesser, die Grundrißdistanz xd von x auf die Linien d 6 , 6 fu. s. f. zu tragen, wodurch sich eine schwächereGesimsausladung ergiebt. Noch besser wird das Verhältniß, wenn man im Grundriß die Distanz der Entfernungder Linien dd und e a von einander von!i nach K, von k nach i und so fort trägt, und nach der hierdurchsich ergebenden Linie die Ausladung des Schaftgesimses bestimmt, wie auf der rechten Seite des Aufrissesgeschehen ist. Man sieht auf diese Art, welch' vollkommene Freiheit bei Anordnung der Berhältnisse in der gothi-schen Architektur herrscht, und wie es nur darauf ankommt, aus den Linien und Distanzen des Grundrissesdiejenigen aufzufinden, welche in der Anwendung auf den Aufriß dem Gesetze der Zweckmäßigkeit und demGefühle für Schönheit am meisten entsprechen, da die Schönheit einer Form niemals auf bloßer Willkühr oderdem Gefühle allein, nämlich auf keiner, gleichsam durch Zufall glücklichen Wahl, sondern vielmehr auf der har-monischen Uebereinstimmung der gewählten Form mit den übrigen Berhältnissen beruht, und ihre richtigeBegründung und Befestigung in sich erst dadurch erhält, daß sie mit den geometrischen Berhältnissen ihres
15. Grundrisses in Einklang steht. — Die in Figur 15 dargestellte Art von Schäften wurde schon vorher besprochen.Man trifft sie (außer bei Kirchen) vorzugsweise, gleich der viereckigen Schaftform, von welcher Figur 16 einBeispiel giebt, in Hallen unterster Stockwerke an, wofür sich besonders die massenhafte Form des Vierecks sehr
»6 15. gut eignet und ganz besonders für die nicht-kirchliche Architektur passend ist. — Die im Grundriß ud 15 gezeigteForm der aus dem runden Schafte hervorwachsenden Gewölberippen stellt dieselben auf der Durchschnitts-
16. linie u b des Aufrisses dar, welche mit der Grundriß-Durchschnittslinie u d dasselbe Maaß hält.—Der in Figur 16gegebene Schaft, bei welchem vier Gewölberippen aus den vier Schaftecken herauswachsen, die Anfänge derandern vier dagegen durch Herauskragungen gestützt sind, könnte auch so behandelt werden, daß sämmtliche
»6 16. acht Rippen theils aus den Ecken, theils aus den Flächen des Schaftes, entsprängen. — Die im Grundriß ent-haltenen Gewölberippen sind nach der Aufriß-Durchschnittslinie a d dargestellt, mit welcher die Durchschnitts-linie n!> des Grundrisses einerlei Maaß hat.