Buch 
Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
Entstehung
Seite
178
JPEG-Download
 

180

Dicke, mit welcher auch die vordere Giebel-Mauer an der Faeade neben den Wendeltreppen Itt uuu (welche teil-weise die Stelle von Streben vertritt) gleich gehalten ist, wurde nach der Starke kk 8 der Langhaus-Schafte (linksoben) normirt, welche durch die, über ihnen gewölbte, Mauer 66 rr das Langhaus von den beiden Flügeln scheiden.Diese Schaftstärke kk 8 (oder 66 rr) ist keine willkührliche, sondern aus den blinden Linien der Quadratur desChores, nämlich aus der Distanz uu 6 oder entnommen. (Ueber die Art der Normirung der Schaftstärkenfolgt unten noch Ausführlicheres.) Die mit xxx bezeichnete Dicke der Thurmmauer (an der vordem Fcwade)wurde der Distanz un oo in der Chor-Quadratur entnommen. Bon den verschiedenen Quadratur-Distanzenzur Bestimmung der Thurmmauer-Stärken war übrigens schon ausführlich oben, besonders bei den Figuren 24und ud 27 des Vorlegeblattes IX die Rede. Die Länge der, nach den Chorpfeilern normirten, Eck-Streben derSakristeien findet man (übereinstimmend mit jenen) auch dadurch, daß man die Pfeilerlänge 888 (siehe linkeSeite) nach der blinden Linie rrr normirt, deren Endpunkt sich aus ihrer Durchkreuzung durch die Pfeiler-linie von selbst ergiebt. Die Länge der Streben der Umfassungsmauer der Kirche ist auf folgende Art normirt.Trage ihre Stärke 666 ^v>v>v (linke Seite) mit dem Zirkel don ddck nach vvv, und sodann die Distanz vvv^v^v>v von >v^v^v nach xxx, so ist die Länge der Streben gegeben, welche demnach aus der Diagonale des,aus ihrer Stärke gebildeten, Quadrats besteht. Eben so ist die Länge der Thurmftrebepfeiler bestimmt, indem(unten links) ihre Stärke vv >v>v mit dem Zirkel von vv nach ppp, und sodann die Distanz ^v^v ppp von>vvv nach uu übergetragen ist. Die Stärke vv >v>v beträgt (nach einer der, bei Erklärung des Vorlegeblattes ixgegebenen, Regeln) zwei Drittheile der Thurmmauerdicke, indem die Distanz xx >v>v genau die Hälfte der Distanzvv, und mithin den dritten Theil der ganzen Thurmmauerdicke xx vv ausmacht, wodurch sich zugleichergiebt, wie die Größe des Thurmecks, welches zwischen den beiden Streben stehen blieb, bestimmt wurde. Uebrigenszeigt die, durch das blinde Dreieck kkkAKK tikti (dessen Winkellinie ffk KUU mit der Thurm-Winkel-linie xx 666 gleich ist) angedeutete Quadratur der Thurmconstruction, daß die Borsprünge kff,

und genau mit den Sockeln der Lhurmpfeiler in einer Linie liegen. Nach diesen Borsprüngen hätte man

daher die Länge der Pfeiler selbst normiren, und dann noch die Sockel um so viel vorrücken können. Daß dieWeite des Langhauses der Chor-Weite gleich ist, bildet die Regel aller Kirchenbauten; eben so, daß die Schäftedes Langhauses mit der Chormauer in einer Axe sich befinden, wenn auch beide verschiedene Stärken haben.Letzteres ist auf jeden Fall die bewährteste Regel, welche zugleich die meiste Symmetrie zeigt, wenn man auch beimanchen Kirchen findet, daß nach der Regel des alten Manuskripts Schäfte und Chormauer einerlei Stärke, aberverschiedene Axen haben, indem erstere mit einigen Seiten ihres Vielecks vorstehen. In der Dppenheimer Katha-rinenkirche, wie in den Kirchen zu Grünberg und Friedberg sind die Axen der Chormauer und der Schäfte einandergleich, letztere stehen aber auf beiden Seiten vor. Zn der Liebfrauenkirche zu Münster und der Dominikanerkirchezu Regensburg , obwohl deren Schäfte verschieden construirt sind, nämlich in ersterer einen Kreis, in letzterer einüber Eck gestelltes Viereck bilden, sind sowohl die Schaftaxen, als Chormauer und Schaftftämme einander gleich,während an letzteren nur die Dienste vorstehen. In der Marburger Elisabethskirche und dem Regensburger Domedagegen, wo die Schäfte doppelte oder mehr als doppelte Chormauer-Stärke haben, sind die Axen ungleich, nämlichdie Schäfte etwas in das Langhaus hineingerückt. Die Normirung der Schäfte im Kirchenkreuze muß begreiflichvon der Art sein, daß an dieser Stelle die Schäfte eine größere Stärke erhalten, auch wenn kein Thurmauf dem Kirchenkreuze sich erhebt, und wird durch die Durchschneidung der Kreuz-Grundmauern bestimmt. Wasdie Construction der, auf zwei gleichseitigen, gegen einander gestellten Dreiecken beruhenden, Gewölbfelder des Lang-hauses und der (mit ihnen gleichen) Schaftaxen-Distanzen, so wie die Bestimmung der Lichtweite der Flügel betrifft,so ist, wenn man hier ein Grundquadrat annehmen will, dieses in der Distanz vom Centrum 1i der Chorquadraturbis in eines der Chorecken oder r zwar in so fern enthalten, als dieser Distanz die Distanzen der Gewölbfelderund Schaftaxen kk 1t, 11 uim u. s. f. gleich sind, und als nach letzteren zugleich die Sichtweite kk der Flügel(links oben) bestimmt ist, deren Gewölbfelder regelmäßige Vierecke von der Größe des Grundquadrates bilden,indem die Größe der Seite AK 11 (oben links) der Größe der Seite AK gleich ist; da aber die Ableitung vonTriangel-Verhältnissen aus einem Grundquadrate etwas Gezwungenes hat, und erstere, wie schon oben bemerktwurde, eigentlich nur dann angewendet werden sollten, wenn der Chorbildung die Lriangulatur zu Grundeliegt, so genügt es, anzuführen, daß die Normirung der Gewölbfelder des Langhauses aus zwei gleichseitigen Drei-ecken sich am einfachsten und schnellsten, wie hier, dadurch bestimmen läßt, daß man aus der Sichtweite des Choresoder Langhauses zwei gleichseitige Triangel bildet, welche mit der einen Seite an der Schaftlinie anstehen, undmit je einer Spitze in der Mitte des Langhauses aneinanderstoßen. Diese Stellung (siehe das Dreieck 8 tu desersten Langhaus-Gewölbfeldes) bestimmt durch die zwei Spitzen 8 und u des Dreiecks die Axen-Centrums