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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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oder der Blüthenstand der Gewächse, an welchem die Kreisleitung am entschiedensten hervortritt. Hier zeigt sichzugleich die Alternation der Blatter, oder die Art, wie bei der Uebereinanderstellung der Blätter immer die Spitzender einen in die Zwischenräume der andern fallen, was man am deutlichsten in den grünen Kelchblättern, imVerhältniß zu den farbigen Blumenblättern, sehen kann. Daß aber die Alternation des Blätterstandes in allengothischen Laubornamenten stets beobachtet wurde, weiß jeder, der nur eim'germaaßen mit ihren Formen bekanntist. (Vergl. die Figuren 8,13 und 14 des Vorlegeblattes xvn, 7 und 8 des Vorlegeblattes xxn, und 2,3,7,8,9und 11 des Borlegeblatts xxm.) Ueberhaupt entspricht der Alternativ» in den Blättern des Blüthenstandesauffallend die, im gothischen Style wohl analog gebildete, geometrische Uebereckstellung der Vielecke in und über-einander. Die Figur des rundbogigen Dreipaffes ist in der Blüthe der Wasserviole, der Schwertlilie, des Schnee-glöckchens, enthalten. Eine sehr schöne, auf zwei über einander über Eck gestellten Dreiecken beruhende, Alternationzeigt sich in der dreipaßartigen Blume des Tiegerkrautes. Der rundbogige Vierpaß zeigt sich in der Blüthe desReps, der Rübe, des Kohls, der Senfpflanze, überhaupt bei den Cruciferen; ferner in den Blumen derArchemon-röschen, der Levkoien, der Wasserlinsen, und mit sehr schöner Alternation bei den Tormentillen. In den Blumendes Sternleberkrauts oder Waldmeisters findet sich der spitzbogige Vierpaß. Bei den, einen rundbogigen Vierpaßbildenden, Klapperrosen, wie bei den Blüthen des Magsaamens zeigt die Saamenkapsel die, der Zahl 4 entspre-chende, Zahl 8, indem der Deckel der Kapseln mit acht kleinen Halbkreisen eingefaßt ist. Die Fünftheilung desKreises findet man bei den Blumen und Blüthen sehr häufig, und sie kommt in den abwechselnften und reichstenGestaltungen vor. Die Blüthe des Grüblingsbaumes bildet ein förmliches (geschweiftes) Fünfeck. Der rund-bogige Fünfpaß zeigt sich an den Blüthen mehrerer Arten vom Hahnenfuß, von Rosen, Aepfeln und Kirschen,ferner mit besonders schöner Alternation an den Blüthen des Brombeerstrauchs, der deutschen Mispel, der Raden,mancher Rosenarten, sehr vieler Arten des Fünffingerkrauts, und überhaupt vieler Sumpf- und Schling-Pflanzen.Zu der, im gothischen Style so häufig angewendeten, charakteristischen Einfassung der Blattränder finden sichdie Vorbilder in manchen fünfblätterigen Blüthen, wie z. B. einer Art von Wolfswurz, bei'm Nachtschatten,und einigen Rosenarten. (Vergl. die Figuren 35 des Vorlegeblattes vm, 7 und 8 des Vorlegeblattes xvn,6 des Vorlegeblattes XVlll, 5 und d ad 4 des Vorlegeblattes XIX, 7 des Vorlegeblattes XXI, 6 bis 12 des Vor-legeblattes xxii, 1, 2, 5, 7, bis 10, dann 12 des Vorlegeblattes xxm, 2 des Vorlegeblattes xxvi, 8 des Vor-legeblattes XXXII.) Einen Fünfpaß mit gestreiften Blättern bilden die Blumen der großen weißen Anemone-röslein. Bei andern Blumen sind die Blätter des Fünfpasses nicht nur gestreift, sondern an den Enden zugleichausgezackt, wie bei den Nelken und Nägelein. Bei vielen Blumen ist in dem Fünfpaß durch die Theilung derBlattendigungen zugleich die Zehntheilung des Kreises angedeutet, wie bei den Aurikeln und manchen Arten desFünffingerkrauts. Die Einbiegungen der runden Blattendigungen im gothischen Style, wie sie z. B. in denFiguren 14 des Vorlegeblattes XVII und 2 des Vorlegeblattes xxm enthalten sind, haben ihr deutliches Vorbildin den Blattendigungen der fünfblätterigen Alpschlüsselblumen. Der spitzbogige Fünfpaß kommt bei den Blumensehr häufig vor, besonders bei Kelchblumen, wie den Glockenblumen und den blauen Winden, dann bei demBorretsch oder der Wollblume. Eine sehr schöne Alternativ» enthält die Blume der Ackeley, deren innerer Fünfpaßrundbogig, und der äußere spitzbogig ist. Noch interessanter ist die Alternation bei den gefüllten Narcissenröschen,bei welchen sie sich dreimal wiederholt, da hier der spitzbogige Fünfpaß dreimal in einander über Eck gestellt ist.Schöne Alternationen zeigen sich ferner bei den Alpenrosen, deren Blätter zwei, in einander über Eck gestellte,Fünfecke mit zehn Staubfäden bilden; ferner bei vielen Dbstarten, namentlich bei allen Kirschen und Pflaumen,welche alternirend fünf Kelch- und fünf Blumen-Blätter, und deren Gesammtzahl 10 entsprechend 20 Staub-fäden haben. Der Sechspaß, und zwar meist spitzbogig, kommt in sehr vielen Blumen und Blüthen vor, so beivielen Arten von Narcissenröslein, bei dem roth goldnen, und dem blau goldnen Leberkraut, bei den Milch-glöckchen und den Kleinglöckchen, ferner bei den Zeitlosen, Sternblumen und den weißen Narcissen, wie beiden Hyacinthen. Die sechsblätterige Blume des Wasser-Fünffingerkrauts enthält zugleich eine schöne Alternationin der Mitte. Die Lilien und Tulpen sind noch besonders bemerkenswerth, indem ihren sechs Blumenblätternsechs Staubfäden, und dieser Zahl 6 die Zahl 3 entspricht, welche sich in ihren Griffel-Narben, und zwar beiden Lilien in der Form eines spitzbogige», und bei den Tulpen in der Form eines rundbogigen Dreipasseszeigt. Die doppelte Zahl 6, oder die Zwölftheilung des Kreises zeigt sich in den zwölf Blättern der, nach ihremäußern Umfange kreisrunden, Blumen einer Art von Anemonen. Die Siebentheilung des Kreises enthaltendie siebenblätterigen Sternblümchen, einige Arten von Anemonen, und die weißen späten Narcissenröschen. DieAchttheilung des Kreises findet sich in den achtblätterigen, rothblumigen Anemonen, den Klee-Windröschen, wieden Feldröschen. Schließlich muß noch im Allgemeinen auf die zur Blätterzahl meist im Verhältniß stehende