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Anzahl der Staubfäden hingewiesen werden, wie bei den Lilien und Tulpen, Alpenrosen und Blüthen der Kirschenund Pflaumen nachgewiesen wurde, da Pflanzen mit 3 oder 6, 9 oder 12, ferner mit 4 oder 8, dann mit 5,10,oder 20, wie auch mit 7 Staubfäden vorkommen.
2. Anwendung der geometrischen Grundfiguren auf die Bildung der vegetabilischen, aus der deutschen Pflanzenwelt zu ent-lehnenden, Verzierungen des Scyles.
dem bisher Vorgetragenen dürfte zur Genüge nachgewiesen sein, daß in den freien Schöpfungen derNatur eine lebendige Geometrie enthalten ist, und daß daher bei deren Nachbildungen im Gebiete derArchitektur die Anwendung der nämlichen geometrischen Grundfiguren, welche wir bei den Naturbil-dungen wahrnehmen, um so mehr den sichersten Weg bildet, als ohnehin eine gewisse Stylisirung der Laubor-namente durch den architektonischen Charakter bedingt erscheint, wobei nur zu vermeiden ist, nicht in Ausartungenoder Uebertreibungen zu verfallen, welche in der letztem gothischen Stylperiode allerdings vorkamen, währendin der ältern Periode vielleicht zu wenig Stylisirung vorhanden war, namentlich die, dem gothischen Style socharakteristischen (wiewohl im späten Style übertriebenen) Ausbauchungen der Laubbossen auf der wellenar-tigen Linie des eigentlichen Pflanzengrades (s. die Figuren des Vorlegeblattes XViii) noch fehlten oder eigentlichnur angedeutet waren. Die, in den Figuren der Vorlegeblätter XVii bis XXV, dann xxvn und xxvul darge-stellten, Laubornamente sind in demjenigen Style compoliirt, welcher meinem individuellen Geschmacke am meistenzusagt. Ich bin jedoch weit entfernt, diese, allerdings teilweise dem spätern Style angehörige, Laubbildungausschließlich empfehlen zu wollen. Mögen immerhin andere Künstler ihre Laubornamente weniger stylisirt, undmehr als bloße Copien wirklicher Pflanzen bilden; nur sollte man sich in einer so reichen (eigentlich wieder vieleeinzelne Style in sich enthaltenden) Architektur, wie in der vaterländischen, davor hüten, irgend eine Richtung alsdie allein unfehlbare zu bezeichnen, besonders da wir doch erst angefangen haben, in das Studium der alten Kunstwieder tiefer einzudringen. Nicht durch die Meinung einzelner Kenner, sondern erst durch die Richtung künftigerJahrzehnten kann und wird sich herausstellen, welche Elemente aus der alten Kunst in das Leben der neuen wiedereinzutreten berufen sind. Die Figuren des Vorlegeblattes XXVt sind (ausnahmsweise) nicht von mir componirt,sondern enthalten ein tue «imile von Driginalzeichnungen des Meisters Hans von Böblingen, welchen ich zurBeglaubigung seine Handschrift nebst Steinmetzzeichen und der Jahrzahl 1435 beigefügt habe*). Diese Laub-zeichnungen des Meisters Hans zeigen Ausbauchungen der Blättergrade, welche, besonders in der unteren Beugungdes eigentlichen Pflanzenstengels, wohl als etwas übertrieben erscheinen, indem die gerade Richtung des letztemals eine reinere Stylform bezeichnet werden muß; sie bilden aber interessante Belege (aus der ersten Hälfte desfünfzehnten Jahrhunderts) dafür, daß die deutsche Architektur ihre Laubbildungen der deutschen Pflanzenweltentlehnte. Die — Figur 1 zeigt unverkennbar das, auch durch die Eicheln angedeutete, Eichenblatt. Die — Figur r ,61 I'.
ist gleichfalls ein umgeschlagenes Eichenblatt, wie es sich zur Anwendung in einem Laubkapitäle eignet. Auch die— Figuren 0 ucl 1 und 6 uU 1 gehören wohl der Eichenblattbildung, ihre Stylisirung aber mehr der ältern /Art an, wie sich auch an der geraden, wenig geschweiften Richtung des Gradstengels zeigt. Noch mehr entspricht ° ^''der ältern Stylbildung die — Figur <1 uck 1, in welcher die Grad-Ausbauchung des Hauptblattes weit schwächer,als bei den übrigen Figuren ist. Wohl mag dieser kugelige Auswuchs der Gallapfelbildung an den Eichen-blättern entlehnt, und dann von diesen auf alle andern Arten von Blättern übergetragen worden sein. Uebrigensläßt sich die, dem älteren Style angehörige, Behandlung des Eichenblattes in Figur 6 r,U 1 auch aus Vorbildernin der Natur ableiten, wie von den Cerreichen (^uereus eerris und Hnereus uustriueu), welche freilich erstim südlichen Tyrol und gegen Ungarn vorkommen, wenn man in dieser Bildung nicht etwa eine idealisirteDarstellung eines, dem Blüthenstande näher gerückten, Eichenblattes annimmt. Eine auffallende Ähnlichkeit hatdiese Blattbildung mit den Blättern der See- oder Meer-Eiche. Die — Figur 2 zeigt eine Bildung, welcheder Eichenblattbildung (Figur 1) sehr nahe kommt, nur daß statt der runden Einbuchtung von Figur 1 hier auchspitzige (in den Figuren e uU 1 und 6 uU i zwar gleichfalls enthaltene) Winkel vorkommen, und daß die Blatt-ränder mit einem kleinen Umschlag eingefaßt sind, ein Umstand, der jedoch der Stylisirung allein zugeschriebenwerden kann, da solche Umschläge als Verschönerung im gothischen Style bei allen Arten von Laubwerk häufig
^iclmnnaen verdanke ich dem gegenwärtigen Eigenthümer Herrn v. Neider in Bambcrg, welcher mir gestattete, das hier Gegebene
.) D.c MtttlM u S s ^ j„ Quartformat , dessen Papiersorte mit der angegebenen Jahreszahl übereinstimmt. Handschrift, wie Zeichnungen
zu veröffentlichen. Das ^ g ^ letztem sind in ihrer Art höchst vollendet, obwohl man ihnen ansteht, das; stc von keinem Maler angefertigt sind, was sich
sind mit schwarzer Lu,) ' » ' ^ ^ von der Rechten zur Linken, noch von der Linken zur Reckten angenommen, sondern nur darauf berechnet
namentlich m der Art theile in der Ausführung in Stein erhaben, und welche vertieft werden sollen. Gleichwohl ist diese Schattirung (welche ich hier nur
ist, deutlich zu machende ) ^ Originale, zwar nicht mit künstlerischer Freiheit, wohl aber mit einer wahrhaft Dürer -sehen Feinheit ausgeführt,
ihrem Hauptcffcctc nach wieoerg^g^ > - - » ^