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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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besonders die Bildung aller viereckigen Rosetten, wie nicht weniger die (in letzteren zugleich enthaltenen) Grund-rißvierecke aller Kreuzblumen, so wie die Bildung der Laubbossen und Fialenblumen beruhen. Diese Lauborna-mente erscheinen auf das mannigfaltigste ausgebildet in Stein, Holz, oder Metall, in Malereien oder in Dessinsvon Teppichen oder andern Stoffen.

3. Von den viereckigen und runden Roftrren.

ie Rosetten sind entweder dreieckig, viereckig oder rund, und kommen gewöhnlich in den Gewölbschluß-^H steinen, oder aneinandergereiht in Gesims- oder Gewand-Hohlkehlen vor; außerdem als Unterbrechung^ der Maaßwerksverzierung, besonders in der Holzarchitectur oder im Arabeskenstyle. Was zunächst diedreieckigen Rosetten betrifft, so ist deren gewöhnlichste Eintheilung in Figur 11 des Worlegeblattes xvn ent-halten, woselbst aus den mit u und U bezeichneten Punkten ein kleiner Spitzbogen nach n beschrieben ist. DieSpitzen solcher Blätter können entweder, wie hier, abgeschnitten werden, oder nicht. In Figur12 ist die nämliche xvu.Hauptform, nur vermittelst Anwendung des Dreibogens, ausgeführt, wodurch, ungeachtet das Maaß der dreiBlattspitzen dasselbe bleibt, dem Ganzen doch eine, von der vorigen Figur sehr verschiedene, Gestaltung gegebenwird. Auch hier ist übrigens aus den Punkten u und tr ein kleiner Spitzbogen gegen e beschrieben. Die letztereForm (doch statt mit eckigen, meist mit runden Blattendigungen) ist die gewöhnlichere, wenn Laubblätter inGesimsen oder Gewandhohlkehlen eine mehr dreieckige, als viereckige Form haben. So habe ich in Figur 11 desWorlegeblattes XXU bei den Hauptblättern die Figur des Dreibogens zu Grunde gelegt, wie nicht weniger in derRandeinfaffung des Tittelblattes (mit den Engeln) zu gegenwärtigem Werke. Die eigentliche Anwendung derLriangulatur (in Figur 13 des Worlegeblattes xvu) bezieht sich mehr auf die sechsblätterigen Rosetten, vonwelchen nachher die Rede sein wird. Eine besondere Gelegenheit zur Bilduug (unregelmäßiger) dreieckiger Rosettenergiebt sich durch die Bogenzwickel*) (oder dreieckigen Räume zwischen den Bögen und den, letztere einfassenden,Vierecken), wiewohl hier nur bei kleineren Gestaltungen, z. B. kleinen Pforten oder in den Verzierungen vonTäfelwerk, indem bei größeren Räumen die Anwendung von Maaßwerk in diesen Zwickeln als passender erscheint.

Was nun die viereckigen Rosetten betrifft, so habe ich in den Figuren 1 bis 3, dann 6 bis 8 des Worlegeblattes xvudie Eintheilung und Bildung der gewöhnlichsten Arten, und zwar in ersteren mit eckiger, in letzteren aber mitrunder Blattbehandlung gezeigt. Die Figur 1 des Worlegeblattes xvu enthält die Eintheilung, auf welcher kn-alle viereckigen, namentlich der, in den Figuren 2,6 und 7 gegebenen, Rosetten beruht, und welche sich schon durchdie Constructionslinien der Zeichnung erklärt. Zu Figur 2 sind die Kreislinien u l> und 6 <1 mittelst Oeffnungdes Zirkels nach diesen Distanzen aus den Punkten 6 und f beschrieben, welch' letztere mit der nämlichen Zirkelöff- ^nung aus u und b, dann 6 und cl gemacht sind. Die Figur 2 zeigt übrigens die nämliche Art viereckiger, einfacherRosetten mit eckiger Blattbehandlung, welche in der Figur 1 des Worlegeblattes xx» mit unbedeutend abwei- su-chender Eintheilung ausgeführt ist. Die Figur 3 des Worlegeblattes xvu enthält die Eintheilung einer xvu.reicheren Rosette im nämlichen Style. Auch hier ist aus den Punkten a und l) der Kreuzschnitt i, aus e und 6der Kreuzschnitt k, aus 6 und f der Kreuzschnitt I, aus K und der Kreuzschnitt m gemacht, und aus i, k,!und m sind die Kreislinien u b, e 6, e t'und K ti gezogen; aus 6 und e aber ist ein kleiner Spitzbogen nach nbeschrieben. Die Ausführung dieser Form ist in Figur 2 des Worlegeblattes xxu, nur mit etwas anderer HU-Eintheilung, enthalten. Die Figur 6 des Worlegeblatts XVII enthält die Contur einer gewöhnlichen, viereckigen xvu.Rosette mit runder Blattbehandlung, und die Figur - 7 eine viereckige Rosette mit Blattumschlag am Rande ^ ^und Windungen in den vier Blattendigungen. Eine reichere, viereckige Rosette mit runder Blattbehandlung istin Figur 4 des Worlegeblatts xxu ausgeführt. Ebendaselbst ist noch eine größere Auswahl viereckiger HH-Rosetten im reichen Style gegeben; so enthält die Figur - 5 jene eigenthümliche Windung in den Blattendi- xxu.gungen, welche oft in dem Laubwerk der altdeutschen Architektur vorkommt, und wohl eine Nachbildung desBlattes des Osterluzei ist. Sie kommt auch bei Kreuzblumen oder Laubboffen vor. (Wergl. die Figuren 5 und 6des Worlegeblattes xv m.) In Figur 3 des Worlegeblattes xxu sind die Blattendigungen lilienartig, und xxu.in - Figur 6 in der gewöhnlichen, runden Art, jedoch mit vielgliedriger Blatttheilung behandelt, in beiden ^ ^aber die Blattränder mit Umschlägen versehen. Was die Zneinander-Uebereckftellung viereckiger Rosetten betrifftso enthält die Figur 4 des Worlegeblattes XVU die Grundform zweier in einander über Eck gestellter Vierecke xvu.

^ 4 .

*) Man hat in neuester Zeit diese Raume nach dem EnglichenSpandrillcn" genannt. Ich sehe jedoch nicht ein, warum wir auslud r, n»-deutsche Sprache aufnehmen sollen, wo einheimische vorhanden sind. Boisseroe hat den alten AusdruckZwickel" hier mit Recht wieder ' e- / ' ^rter >n dl«der zweiten Ausgabe seines Kölner Domwcrks von den Feldern in den Zwickeln der Bogen spricht. Der gewiß nicht unverständliche " S- 47

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