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weisen in ihren schrägen Wänden der Faeaden auf ägyptische Urbildung zurück. Während aber der ägyptischeStyl in seinen Felsentempeln offenbar vom Höhlenbau ausgegangen ist, zeichnet sich der eigentliche etruskischeTempelstyl durch das Festhalten ursprünglicher Holzconstruction aus, deren Einfluß, wenn irgendwo, so hierunverkennbar ist. Schon das geringe Material der Tuf- und Backsteine, dessen sich die Etrusker vorzugsweisebei ihren Bauten bedienten, beweist, daß die Architektur hier eher von der (ohnehin auch bei den Dachstühlenausgebildeten) Holzconstruction ausgegangen sein konnte, als im griechischen Style, welcher, wenn auch in dermythischen Sage von Holztempeln der Vorzeit die Rede ist, doch technisch zu sehr mit dem Marmormaterialezusammenhängt. Uebrigens trifft die uralte, horizontale Steinconstruction mit der Holzconstruction gerade imPrinzip des Wagrechten zusammen. Für uns ist die etruskische Architectur vorzüglich deßhalb wichtig, weil sieein Mittelglied in der Geschichte der Entwicklung der Baukunst dadurch bildet, daß in ihr die ersten Anfängeder Wölbekunst vorkommen. Man weiß zwar, daß einzelne rohe Anfänge von Wölbungen bereits in Aegypten und Griechenland vorkamen, wie namentlich bei dem Grabmale Agamemnons zu Mycenä (auch Schatzkammerdes Atreus genannt), dessen innerer, kreisförmiger Raum durch wagrechte Steinlager gebildet ist, welche stufen-weise übereinander hervorragen und abgeschrägt sind. Doch stehen solche Beispiele sehr vereinzelt. Eine häufigereAnwendung dieser uranfänglichen, rohen Wölbungsversuche und ein weiterer Fortschritt derselben zu wirklichenWölbungen fand erst bei den ELruskern statt, wobei die Ausführung in technischer Hinsicht durch das Materialdes einheimischen, leicht zu bearbeitenden Tufsteins sehr erleichtert wurde. Ueberhaupt findet man bei allenHauptepochen in der Geschichte der Architectur, daß dieselben mit solchen technischen Ursachen zusammentreffen,wenn auch höhere geistige Elemente bewegend wirkten. Die etruskischen Wölbungen zeigen sich jedoch nicht amTempelftyle, dessen ganzer Charakter dadurch ein anderer hätte werden müssen, sondern vielmehr an andernuntergeordneten Bauten, wie an Thorbögen, Grabstätten und unterirdischen Abzugskanälen. Die älteste Formdieser Wölbungen war die vorerwähnte der wagrecht aufeinander gelegten und stufenweise hervorragendenSteinlager. Erst später gieng man zu eigentlichen Wölbungen mit keilförmig behauenen Steinen über. Solchetonnenartige Wölbungen finden sich an Abzugskanälen, wie namentlich an den Cloaken Roms, deren größtedie «Ionen mnximn ist, in welche die übrigen münden. Ein vereinzeltes Beispiel einer schon sehr ausgebil-deten Wölbung ist die Cisterne zu Volterra , welche förmliche, durch Pfeiler gestützte, Tonnengewölbe enthält.Außer den Wölbungen ist noch ein anderes Element im etruskischen Style bedeutungsvoll. Dieß sind die kegel-förmigen, auch auf der Insel Sardinien vorhandenen, Grabmonumente, bei welchen, während im griechischenStyle alle pyramidalen oder obeliskenartigen Formen gänzlich fehlen, solche wieder vorkommen, wenn auch,im Vergleiche zu den massenhaften ägyptischen Formen, nur im Kleinen. Der Untersatz dieser Bauten istgewöhnlich von kreisrunder, manchmal auch viereckiger Form, und trägt eine, zuweilen aus treppenförmigenAbsätzen gebildete, kegelförmige Pyramide, zuweilen auch einen wirklichen, viereckigen Thurm. Bei andernMonumenten ist der Thurm oder die Pyramide häufig von kleineren Kegelpyramiden umgeben, wie dasGrabmal des Porsenna , oder das sogenannte Grabmal der Horatier und Curiatier bei Rom . Da bei letzteremdie kegelförmige Pyramide, von vier kleineren ihres Gleichen umgeben, auf einem viereckigen Untersatze sicherhebt, so liegt hier der Gedanke sehr nahe, in dieser Bauart ein rohes Vorbild der spätern viereckigen Thürmedes italienischen Mittelalters zu erblicken, welche mit einer Steinpyramide geschlossen und von vier kleinenPyramiden an den vier Ecken umgrenzt sind, wenn schon die eigentliche und höchste Ausbildung dieser nochplumpen Form erst im deutschen Spitzbogenstyle erfolgte.
«. Römischer Styl.
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Le römische Architectur hing schon ursprünglich mit der griechischen zusammen, indem die ältestenrömischen Bauwerke dem pelasgisch-etruskischen Style angehören, in der spätern Periode aber, seitGriechenland (im zweiten Jahrhundert vor Christus) römische Provinz geworden war, die griechischeArchitectur unmittelbare Aufnahme fand. Erst in dieser Zeit kam der Gebrauch der Anwendung des Marmorszu den Bauten auf, welchen die Römer vor der Auffindung in ihrem Lande (als Vorläufer ähnlicher, in späternJahrhunderten so oft wiedergekehrten Erscheinungen) griechischen Tempeln zu entführen pflegten. Wenn bis