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hierher die Construction jedes Architecturstyles, namentlich die Tempelarchitectur, nur auf eine wagrecht liegendeBedeckung gegründet war, als deren wesentlichster Bestandtheil der Architrav in Verbindung mit der Säuleerscheint, so mußte nunmehr, da die Römer sich mit der weitem Ausbildung der etruskischen Wölbungskunstbefaßten, und mithin über die seitherige, auf flache Raumüberdeckung berechnete Construction Gewölbe, und aufSäulen, statt des Architravs, auch Bögen setzten, ein Widerstreit in den Grundprincipien der Architektur entstehen.In Consequenz der runden Wölbung führten die Römer den runden Bogenschluß auch für Thüren und Fensterein. Daß ungeachtet der Fortschritte in der Wölbekunft und der Anwendung des Rundbogens neben diesemder, in offenbarem Widersprüche mit ihm stehende, Architrav noch beibehalten wurde, erklärt sich nur aus seinem,durch so viele vorangegangene Jahrhunderte hindurch ehrwürdig gewordenen Gebrauche. Der Tempel dellaOaffarella bei Rom , dessen Cella sich nach der etruskischen Weise dem regelmäßigen Quadrate nähert, hat (gleichdem Tempel des Antonin und der Fauftine, so wie jenem der Juno) sowohl auf der Rückseite, als den beidenNebenseiten keine Säulenftellungen, sondern nur auf der Vorderseite, wodurch eine gewisse Aehnlichkeit mit demBasilikenftple entstand. Andere römische Tempel, wie jener der Fortuna virilis zu Rom (jetzt 8. MarineKiLiaea), zeigen jene römische Abweichung vom griechischen Style, nach welcher sich zwar auf der Vorderseiteeine Säulenstellung befindet, auf den übrigen drei Seiten aber nur scheinbar eine solche vorhanden ist, indem hierdie Säulen nur halb, nämlich pilasterartig an den Wänden angebracht sind, eine Manier, welche den römischenStyl besonders charakterisirt, namentlich auch am Colisäum, wie an den römischen Triumphbögen vorkommt,und auf den spätern italienischen Styl, sowie von diesem auf die moderne Zeit übergegangen ist. Was dikTonnen-gewölbe der römischen Cellen betrifft, so sind dieselben, gleich den Kuppelgewölben der kreisrunden römischenTempel, wie die flachen antiken Decken mit Cassetirungen von viereckiger, oder auch achteckiger, Form bedeckt.Der römische Rundbogen als Aufrißform hatte bereits an der, zum Windthurme zu Athen gehörigen, Wasser-leitung aus der letzten griechischen Periode einen vereinzelten Vorläufer, wenn schon an letzterem die Rundbögender Pfeiler aus einem einzigen Steinstücke bestanden, so daß gerade der technische Fortschritt des keilförmigenSteinschnittes fehlte. Letzterer, von den Etruskern begonnen, erhielt erst von den Römern seine weitere Aus-bildung, wenn auch in Rom selbst die Gewölbe häufig nur aus sogenannter Puzzolanerde gegossen wurden,und sogar im Pantheon die Cassetten der Kuppel nur durch solches Gußwerk zusammen gehalten sind. DieRömer bedienten sich in ihren Lempelcellen nicht nur der Tonnengewölbe, sondern es gehören ihnen auch dieersten Anfänge von Kreuzgewölben an, wie die mittlere Halle des Friedenstempels (nachmals Basilika Con-stantins) beweist. Sogar der Kuppelbau ist eine schon regelmäßig bei den kreisrunden Tempeln der Römerangewendete Form; die kreisrunde Gestalt der Tempel selbst aber hatte bereits in den altgriechischen Odeenihr Vorbild. Zugleich mit dieser Ausbildung des Gewölbes mußte die Säule mit ihrem Architrave bedeutungsloserwerden, insofern man Kreuzgewölbe (wie bei dem Friedenstempel) oder Kuppeln (wie bei dem Pantheon )scheinbar auf Säulen und Architrav setzte, mochten nun die Säulen (wie bei dem Pantheon ) in ganz geringerEntfernung vor der Mauer oder unter Nischen frei, oder nur halb oder pilasterartig an die Mauer angesetzt stehen.Dieser pilasterartige Gebrauch von Halbsäulen wurde in den Zeiten des Verfalls der römischen Kunst, besondersunter Diokletian , dem letzten heidnischen Kaiser, immer allgemeiner, so daß die Säule zur bloßen Verzierungherabsank. Mitten in diesem Verfalle jedoch, welcher durch die sich widerstreitenden Elemente des Architravsoder Gebälks und des Bogens nothwendig entstehen mußte, lagen bereits die Keime zu allen künftigen Fort-schritten in der Architektur. Während man nämlich, auch wo die Säule (wenn auch nur scheinbar) als Gewölbstützediente, sich nicht entschließen konnte, ihr das althergebrachte, aus Architrav, Fries und Kranzgesims bestehende,Gebälke zu nehmen (womit noch die Säulen in den Thermen oder Bädern Diokletians , dem Friedenstempelund dem Bachustempel zu Rom versehen sind), waren, als man endlich begann, diese völlig bedeutungslosgewordenen Bestandtheile zwischen Säule und Gewölbe wegzulassen, hiermit die Elemente zu den Anfängeneines neuen Baustyles gegeben. Dieser Anfang zeigt sich unter dem nämlichen Diokletian in den Säulengängender Höfe seines Palastes zu Spalatro, sowie in der Säulenstellung des Portikus des, innerhalb des nämlichenPallastes stehenden, Jupitertempels, wo die Rundbögen unmittelbar auf Säulen ruhen. Man begann nun, selbstkleinere Entfernungen, statt mit dem Architrave, durch Bögen zu überdecken, wenn man auch ein Gesims unterden Bögen stehen ließ, worüber gleichfalls der Diocletianische Pallast zu Spalatro in den kleinen Säulen-stellungen über dem Hauptportale (porta aurea) zum Beispiele dient. Von der Verbindung der Säulendurch Rundbögen in den altrömischen, oder vielmehr altchriftlichen Basiliken, in welcher bereits die Fäden sichtbar