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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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183T Die mildfeuchte Witterung, hie im Christmonat vorgewaltet hatte, zog sichbis in die Mitte Jenners fort. Am Neujahrstage schncyete, am 9., 10. und 11 . regnete esbey Südwestwind und 8 Grade über 0 am Nachmittag. Der Schnee, der am 14. und 15.fiel, und die folgenden stillkalten Nächte brachten am 20 . eine Eisdecke über den Greifensee ,die nach dem Thauwetter am 27. und 28. in den folgenden Nächten wieder ergänzt wurde;der obere Tbcil des Zürichsees fror erst vom 25. auf den 26. Hornung zu. Es schneyete imJenner nur an 4, im Hornung nur an 2 Tagen; Regen fiel vom 11. Jenner bis zum 5. Märznie; die Sonne schien besonders vom 11. Hornung bis 1. März fast täglich von früh bisspät. Der erniedrigte Wasserstand des Rheins war Mitursache, daß am 26. Jenner ein Salz-schiff und am 27. ein Kornschiff an verborgene Felsen aufstießcn und in Folge dessen unter-sinken mußten. Wenige mögen die Feuerkugel wahrgenommen haben, die am 23. Abends umhalb acht Uhr gegen Westen eilte; desto mehrere in den beyden letzten Tagen des Hornungund am 1., 4. und 5. März bey Sonnenaufgang die vielen farbigen Kugeln, die von derSonne auszugehen und gegen den Stand des Beobachters herzufahren schienen. Man siehtdergleichen Reflere der dem Auge sich tief einprägenden weit fester als sonst beobachtetenSonncuschcibe sonst nur etwa im hohen Sommer bey Sonnenuntergang, wenn die Atmosphäremit ganz leichtem Nebel erfüllt, aber wolkenrein ist. Die erste Hälfte des März war durch-weg schön; nur in zwey Nächten fiel nach Regen Schnee. Die Zeit vom 15. bis 25. begannmit regenvermischtem, und endete mit erkältendem Schnee; von der Nacht des 17. bis zumAbend des 20. stürmte und regnete es fast in einem fort, wodurch denn die schwache Eisdeckeder kleinern See'n gleich anfangs zertrümmert wurde. Es folgte eine Reihe von schönen, dochmeist durch den Nordostwind abgekälteten Tagen, vom 26. März bis zum 15. April; lieblicheFrühlingswärme lockte indessen um den 2. und vom 11. bis zum 15. die Blüthen der Heckenraineund Wiesen hervor. Vom 16. bis 18. April entlud sich die angehäufte Elektrizität; amletzter« Tage schlug der Strahl in den Kirchthurm zu Dübendorf . Vom 19. bis 29. waren 2 /.der Tage schön; überhaupt regnete es in diesem April nur au 6 Tagen, zwey Male mit Rieselvermengt. Sturm und strömender Regen wechselten vom 30. April bis zum 4. May, nur denMaytag selber ausgenommen. Am 5. gestattete eine völlige Aufheiterung die Beobachtung desDurchgangs der kleinen tiefschwarzen Merkursscheibe durch die Sonne, welchem von 96 /z UhrVormittags bis 4 Ukr 27 Minuten Abends mit mäßig vergrößernden Gläsern gefolgt werdenkonnte. Allein nach drey diesem nachkommenden schönen Tagen folgte Regen am 9. vor Tag,kalter Wind am 10 ., ein Reif am 11., Regen am 12 . und in der Nacht Schnee, wieder Regenam 13. und am 15. eine Kälte, die Morgens um 4 Uhr in Zürich 1>/; Grad unter 0 , eineStunde später 1/4 über 0 betrug. Der nun mit Sonnenaufgang sich kreuzende Frost zerstörtenn Limmat -, Glatt- und Wehnthal gar viele, zu Winterthur , Benken , Uhwiesen und der Endenetwa die halben, zu Marthalen , Andelfingcu, Flaach , Berg, Rorbas und Einbrach beynahealle Traubenschosse, so daß in vielen Strichen nur auf die Nachtriebe noch einige Hoffnungübrig blieb. Die 'Nußbäume kamen ebenfalls um allen dießjährigen Ertrag. Den Roggen-zelgen sah man mir schwerer Besorgniß zu, was noch von ihnen zu erwarten sey. Und derKernenschlag, der seit Anfang Herbstmonats zwischen 8 und 9 fl. bin und her gegangen warund seit Anfang April zwischen 9>/2 und 9 fl. geschwankt hatte, stieg noch in dieser Woche von