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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Am Auffahrtstag 1826 ereignete sich in der Gegend von Rüschlikon auf dem See ein großesUnglück. Ein junges Ehe- und zwey Brautpaare wollten Abends in einem kleinen Fischerkahnvon Küßnacht nach Rüschlikon zurückfahren. Ein Gewitterregen hielt sie in Küßnacht auf unddann ließen sie noch 3 Mannspersonen in das Schiff steigen. Noch nicht weit vom Ufer ver-loren sie den sogenannten Drücker und daö überladene Schiffchen fing an, Wasser zu ziehen.Einige wollten umkehren; allein nach kurzer Berathung wurde beschlossen, weiter zu fahren.Das Wasser drang immer mehr ein und als sie die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten, reichtees den Schiffenden bis an die Kniee; sie hatten keinen Ausschöpfer. Da rieth eines der Mädchen,man soll das Wasser mit den Hüten aufschöpfen; allein durch eine Bewegung verlor der Kahndas Gleichgewicht und schlug um. Die Weibspersonen und die Hälfte der Männer sanken unter;drey der letztern gelang es, sich über dem Wasser zu halten, bis sie durch Schiffleute von Rüsch-likon nach halbstündiger Todesangst gerettet wurden. Erst 6 Tage hernach wurde der letzteLeichnam aufgefunden. 5 Personen wurden in ein gemeinschaftliches Grab zu Rüschlikon , eineWeibsperson zu Adlischweil beerdigt. Die Leichenpredigt ist im Druck erschienen und es sindfür die Hinterlassenen der Verunglückten reichliche Gaben geflossen.

Im Frühjahr 1829 wurde die Kirche größtcntheils abgebrochen und von den Hrn. Maurer-meister Staub von Horgcn und Zimmermann Fehr von Rüschlikon eine neue erbaut, welche in-nert 9 Monaten vollendet war. Sie ist Halbrund gebaut, mit gewölbter Decke, außen mitrothem Mörtel bekleidet. Drey Thüren führen ins Innere, das von 11 Bogenfenstern erhelltwird. Die Länge der Kirche beträgt 67, die Breite 40 Fuß. Der Thurm ist bis auf dieHöhe von 40 Fuß gemauert, von da auf 20 Fuß bis auf den Helm quadrirt, der Helm selbstist 60 Fuß hoch und mit Schindeln gedeckt, die roth angestrichen sind; 4 Zeittafeln zeigen dieStunden an. Diese Baute kostete 11,000 fl., welche Summe zur Hälfte aus dem Gemeindgut, zurHälfte aus dem Vermögen der Bürger bestritten wurde.'— Zu gleicher Zeit wurden die 3 Glocken,zusammen 23 Centner am Gewicht, wovon die größte 13 Cenlner hat, von Gießer Keller inUnterstraß gegossen, was etwa 2000 fl. kostete. — Ao. 1834 wurde die Kirchhofmauer ganzneu aufgeführt. — In den Jahren 1836 bis 1838 wurde durch den Bann der Gemeinde undzwar von Wollishofen bis Thalweil längs dem Seeufer vom Staat eine neue Landstraße ange-legt, die indeß erst im Jahr 1839 befahren werden konnte. — Im May 1838 wurde eineArbeitsschule für die weibliche Jugend gegründet, die sich seither eines rühmlichen Fortschritteserfreut. Die nähern Angelegenheiten derselben beräth eine Gesellschaft von 8 Frauen. — Indem benannten Jahr schaffte die Gemeinde eine neue Feuerspritze, die von Hrn. Keller, Kupfer-schmied in Zürich , verfertigt wurde, an, und erbaute für Aufbewahrung derselben ein neues,bequemes Spritzenhaus.

Rüti .

Die Gemeinde Rüti verdankt ihren Ursprung ganz dem ehemaligen Kloster, welches hierin einer einsamen und öden Gegend angelegt wurde und nach und nach dieselbe urbarmachte. Als das Kloster zur Zeit der Reformation aufgehoben ward, gingen die Besitzungendesselben in dieser und den andern Gemeinden an den Staat über, der zur Verwaltung der-selben einen Amtmann dahin setzte. Der größte Theil der Güter der Gemeinde war Kloster -